Sport : Berlin Capitals: Ein Kaninchen bringt noch keine Lizenz

Claus Vetter

Der Countdown läuft. Die Capitals sind angezählt, ob der Berliner Klub von der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auch ausgezählt wird, wird sich in Kürze entscheiden. Bis spätestens Freitagabend um 23.59 Uhr müssen die hoch verschuldeten Capitals nachgewiesen haben, dass sie wieder liquide sind. Sonst wird die DEL den Berlinern die Lizenz entziehen. Um 10,6 Millionen Mark geht es, für diese Summe hatte Egon Banghard, Hauptgesellschafter der Capitals, auf der Gesellschafterversammlung der DEL Mitte Juli persönlich garantiert.

Dass bis gestern, zwei Tage vor Ultimo, noch kein Geld da war, irritiert auf der Geschäftsstelle der Capitals niemanden mehr. Warten auf Geld ist dort längst zur liebsten Beschäftigung geworden, seit sechs Monaten haben die Angestellten kein Gehalt mehr bekommen. "Am Montag habe ich mit Egon Banghard gesprochen", erzählt Sprecher Peter Harbig. "Der hat mir gesagt, ich solle den Fans mitteilen, sie könnten davon ausgehen, dass in der Deutschlandhalle bald Spiele der DEL stattfinden." Das ist ein wenig zu kompliziert formuliert, um den Gedanken an eine finanzielle Rettung glaubhaft zu transportieren.

Bei der DEL wird der Stillstand in Charlottenburg mit Sorge betrachtet. "Dass die Capitals nicht irgendwie ein Zwischenzeichen setzen, irritiert mich", sagt Andreas Ulrich, Sprecher der DEL. "Wenn das Geld am Freitag nicht da ist, dann werden wir in der kommenden Woche eine Versammlung mit den anderen Klubs einberufen." Dann würde den Capitals die Lizenz entzogen. "Ein unsägliches Sommertheater", meint Ulrich, "das wir uns lieber erspart hätten. Hätten die Capitals auf der Gesellschafterversammlung im Juli nicht ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert, hätten wir sie längst nach Hause geschickt." Jenes Kaninchen war ein notariell beglaubigtes Schriftstück, auf dem Banghard persönlich für die Kapitalerhöhung der Capitals von 10,6 Millionen garantierte. "An der Bonität des Unterzeichners gab es keine Zweifel", sagt Ulrich.

So liegt das Schicksal der Capitals nun wohl allein in den Händen von Banghard. Sein Intimus Andreas Fettchenhauer, der sich wochenlang als Retter der Capitals aufgespielt hatte, wurde seit Tagen nicht mehr auf der Geschäftsstelle gesichtet. Fettchenhauers polterige Auftritte haben den Capitals zwar Aufmerksamkeit, aber kein Geld beschert. Angeblich soll Banghard nun Immobilien aus seinem Privatbesitz veräußert haben, um so die geforderte Summe zusammenzubekommen. Ob das reicht? Verkaufsverträge oder Zusicherungen wird die DEL allerdings nicht akzeptieren. "Das Geld muss auf einem Konto liegen", sagt Ulrich, "Freitag ist der allerletzte Termin dafür."

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