Sport : Berlin Capitals: Eine Lizenz für den Urlaub

Claus Vetter

Betriebsferien sind etwas Feines. Schließlich haben die Angestellten mal eine kollektive Verschnaufpause verdient. Allerdings ist es nicht unerheblich, zu welchem Zeitpunkt sich eine Firma eine Auszeit gönnt. Kaum vorstellbar, dass in einer Fabrik für Feuerwerkskörper ausgerechnet kurz vor Silvester die Förderbänder angehalten werden. Auch im Sportgeschäft gibt es Stoßzeiten, momentan ist zum Beispiel bei den Klubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Betriebsamkeit angesagt. Schließlich müssen bis heute bei der DEL in Köln die Lizenzanträge für die kommende Saison eingegangen sein. Und am Rhein wird auch Post aus Berlin erwartet. Einmal aus Hohenschönhausen, vom EHC Eisbären, und dann natürlich aus Charlottenburg, von den Capitals.

Wie weit die Capitals bis gestern mit ihren Unterlagen waren, weiß niemand so recht. In den Büros des Klubs wird derzeit nämlich hinter verschlossener Türe gewerkelt, die Geschäftsstelle in der Deutschlandhalle ist bis Montag geschlossen. Per Anrufbeantworter hat Sprecher Peter Harbig immerhin ein paar nette Worte übrig: "Liebe Eishockey-Freunde, wir wünschen ihnen einen schönen Tag."

Dauerkarten für die kommende Saison gibt es noch nicht. Während die Eisbären schon 750 Tickets abgesetzt haben, scheinen die Capitals nicht in Zeitnot. Dabei sollte es genug zu tun geben, um die DEL mit einem ausführlichen Lizenzantrag wohlwollend zu stimmen. Schulden in zweistelliger Millionenhöhe drücken, allein sechs Millionen Mark fordert das Finanzamt. Die Angestellten auf der Geschäftsstelle haben dieses Jahr noch kein Geld gesehen, viele Spieler warten seit Februar auf ihr Gehalt. Dazu kommen ausstehende Zahlungen an ehemaliges Personal. Zudem sind keine Mittel für den Nachwuchs vorhanden, das Sommertraining der Young Capitals wurde gestrichen.

Prokurist Gerhard Brüderer, mit dem Lizenzantrag beschäftigt und laut Harbig in Berlin, war weder am Dienstag noch am Mittwoch zu erreichen. Michael Pagels, vor wenigen Tagen als Generalbevollmächtigter installiert, wurde in der Deutschlandhalle noch nicht gesehen. Und dies obwohl der 58-Jährige, einst bei der Bewag und beim Deutschen Gewerkschaftsbund kein Phantom, kein zweiter Jürgen Riebold sein sollte. Der fungierte vergangene Saison als Geschäftsführer, zu Gesicht bekam Riebold bei den Capitals nur eine Minderheit.

Nur wenige wagen den Schritt in die Öffentlichkeit, etwa Sportdirektor Funk, dessen im April ausgelaufener Vertrag bislang nicht verlängert wurde. "Alles läuft seinen Weg", meint Lorenz Funk, "es geht weiter." Angesichts der Schulden bleibt den Capitals wohl nur die Hoffnung auf Hilfe aus Hohenschönhausen. Der Eigner der Eisbären, die nordamerikanische Anschutz-Gruppe, will zusammen mit Capitals-Hauptgesellschafter Egon Banghard eine Arena am Ostbahnhof errichten. Rund zwei Millionen Dollar will Anschutz investieren. "Aber Voraussetzung für eine Investition ist, dass sie den Capitals wirklich hilft", sagt Detlef Kornett, der Europa-Chef bei Anschutz. Soll heißen: Wenn die Gefahr besteht, dass das Geld in einem Schuldenloch versickert, gibt es nichts.

Vielleicht wird es diesbezüglich auf der Gesellschafterversammlung der Capitals kommende Woche neue Erkenntnisse geben. Daran glauben aber nur noch wenige, vielmehr sieht mancher das Drama schon im letzten Akt. Etwa die Spieler der Capitals: Stürmer Fabian Brännström hat in Mannheim unterschrieben. Von anderen ist zu hören, dass sie sich trotz laufender Verträge nach neuen Arbeitgebern umschauen.

Gefährlich könnte für die Capitals werden, dass die Geduld der Gläubiger bald ein Ende hat. So hat sich ein ehemaliger Spieler, der noch auf sein Geld wartet, schon mal bei der DEL informiert. "Die haben mir gesagt, dass es keine Lizenz gibt, wenn die Gehälter nicht kommen", sagt der Profi, der ungenannt bleiben will. "Und wenn mein Geld bis Freitag nicht da ist, dann bekommt die DEL von mir einen Brief. Der wird dem Lizenzantrag der Capitals beigelegt." Die offizielle Stellungnahme der DEL zum Fall Berlin Capitals lässt einigen Spielraum: "Das darf ich nicht beantworten", sagt Beatrix Kaufeld, momentan bei der DEL mit der Bearbeitung der Lizenzunterlagen betraut. Geschäftsführer Gernot Tripcke ist nämlich im Urlaub. Doch nur weil der Chef fehlt, gibt es in Köln deshalb - anders als in Berlin-Charlottenburg - noch lange keine Betriebsferien.

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