Sport : Berlin Capitals: Einfach geistig leer

Claus Vetter

In ihren offiziellen Stellungnahmen halten sich die Trainer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in der Regel vornehm bedeckt. Das war am Freitag, nach dem 5:6 nach Penaltyschießen der Capitals gegen die Augsburger Panther in der Eissporthalle an der Jafféstraße nicht anders. Da hatten die Verlierer laut ihrem Trainer Chris Valentine "super gekämpft", war Augsburgs Coach Danny Naud "zufrieden". Und natürlich, als Überraschung bewerteten es beide Eishockey-Lehrer nicht, dass der Tabellenvorletzte bei einer Mannschaft gewonnen hatte, die vor wenigen Wochen noch an der Spitze rangierte. Die oft zitierte Mär von der ausgeglichenen Liga durfte selbstverständlich nicht fehlen.

Der Blick hinter die Fassade offerierte andere Erkenntnisse. So hatte Naud noch vor der Pressekonferenz vor sich hingeflucht: "Einen Punkt verschenkt, das haben wir." Da hatte der Augsburger Trainer recht. Denn dass die Berliner im Mitteldrittel aus einem 2:4 ein 5:4 machen konnten, lag nur am Gegner. Augsburgs Torwart Muzzati patzte im Minutentakt, das russische Duo Maslenikow (verletzt) und Wostrikow (Zehn-Minuten-Strafe) war zu besagtem Zeitpunkt gesprengt. Trotzdem kamen die Panther zurück, denn die Nerven bei den Capitals lagen blank. Die Szene, wie Huusko - sonst einer der Zuverlässigsten bei den Berlinern - im Penaltyschießen den Puck verstolperte, hatte Symbolcharakter: Mit dem Selbstbewusstsein der blendend in die Saison gestarteten Capitals ist es derzeit nicht weit her. Aus sieben Partien gab es für die Charlottenburger zuletzt nur fünf Punkte, der sechste Platz ist der vorläufige Tiefpunkt. Die prominenteste Begründung für den Sturzflug? Das Verletzungspech - da sind sich von Valentine bis Sportdirektor Lorenz Funk alle einig. Sicher, durch das Fehlen von Ehlers ist die Kreativabteilung geschwächt, ohne Guillet fehlen ein paar Tore und mit Corriveau vermisst man die Härte. Aber mit Ausfällen hat die Konkurrenz auch zu kämpfen.

Im Lager der Berliner hält man sich noch zurück. Roger Wittmann etwa sagt: "Man kann mit den Jungs reden was man will, es geht momentan nicht. Die sind kaputt, geistig leer." Oder sie benehmen sich daneben, wie Benjamin Hecker. Der wurde aus "disziplinarischen Gründen" (Valentine) auf die Tribüne verbannt. Natürlich wäre es überzogen, angesichts dieser Episode die Misere am Führungsstil des Trainers festzumachen. Zumal Hecker zuletzt selten überzeugte.

Dass es in der Mannschaft kriselt, davon will augenblicklich kein Spieler etwas wissen. "Die Stimmung in der Kabine ist gut", meinte Verteidiger Greg Johnston, "ich bin mir sicher, das wir zurückkommen." Einfach wird das nicht, denn in den kommenden fünf Spielen warten auf die Berliner ausgerechnet die fünf Gegner, die in der Tabelle vor ihnen stehen. Und ob man bei den Capitals bei anhaltenden Misserfolg weiter die "Kirche im Dorf lassen" (Wittmann am Freitag) möchte, und nicht über Konsequenzen nachdenkt, bleibt abzuwarten.

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