Sport : Berlin Capitals: Elf Millionen und ein Blick nach vorn

Claus Vetter

Am Mittwoch haben die Capitals in letzter Instanz von der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ihre Lizenz zurückerhalten - dank ihres Hauptgesellschafters Egon Banghard, der mal eben elf Millionen Mark locker gemacht hat. Im Schatten dieses Triumphes fiel es dem Unternehmer am Donnerstag nicht weiter schwer, schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen. So, als ob nichts gewesen sei, als ob bei den Capitals nicht Dutzende von Mitarbeitern monatelang vergeblich auf ihre zugesicherte Entlohnung gewartet hätten. Sicher, "eine traurige Geschichte", die den Capitals da widerfahren ist, traurig auch für ihn, sagt Banghard, der, wie er sagt, schon "15 Milliarden in die Stadt gesteckt hat". Und dann, so klagt er, wurden die Capitals ja auch noch in den Medien "durch den Dreck gezogen."

Das alles soll nun Vergangenheit sein. Die Capitals blicken nach vorn. "Der Klub geht erstmals mit positiven Zahlen in die Saison", sagt Banghard, "und erstmals wird er die Saison auch mit schwarzen Zahlen abschließen." Banghard stellt auch fest, dass durch die massive Medienepräsenz der Capitals "plötzlich internationale Sponsoren auf den Klub aufmerksam geworden" seien. Überhaupt wird jetzt alles ganz anders bei den Capitals - und natürlich besser. Banghards Steuerberater wird künftig alle Ausgaben im Klub, die 5000 Mark überschreiten, kontrollieren. Über personelle Umstrukturierungen wurde gestern ansonsten kaum gesprochen. Selbst der designierte Geschäftsführer Andreas Fettchenhauer wurde (noch?) nicht inthronisiert. Klar ist einzig und allein, dass künftig Olle Öst im Sportlichen Bereich das Sagen hat.

Der neue Sportdirektor steht vor einer schweren Aufgabe. Schon am kommenden Freitag empfangen die Capitals zum Saisonauftakt die Düsseldorfer EG. Wer wird dann bei den Berlinern auf dem Eis stehen? "Wir haben uns auf die Situation vorbereitet", referiert Olle Öst, "neun oder zehn Spieler brauchen wir. Spätestens Dienstag sind die alle da." Kein logistisches Kunststück, glaubt Banghard. "Olle Öst hat 3,7 Millionen Mark in seinem Spieleretat", sagt der Hauptgesellschafter. "3,7?", fragt Öst mit einigem Erstaunen zurück, "mir hat man gesagt 3,5." Egal. Und auch wenn die Mannschaft noch gar nicht steht, wird schon mal über die Zielsetzung für die Saison laut nachgedacht. "Wir werden", sagt Öst, "eine schlagkräftige Mannschaft haben und die wird um Platz sechs bis zehn mitspielen." Aber wollen nach dem Theater der vergangenen Monate auch wirklich alle Fans das Team sehen?

"Eishockey ist für mich die schönste Sportart", sagt Banghard. Natürlich seien nun auch die Medien aufgefordert, die Angelegenheit ein wenig anzuschieben, zum Beispiel indem sie verkünden, wie wunderbar Eishockey in der schönen Deutschlandhalle doch sein kann.

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