Sport : Berlin Capitals: Funk und der Notplan

Claus Vetter

Am Tage nach dem Trauerspiel wusste noch keiner der Verantwortlichen so genau, wie es weitergehen könnte. Lizenz los, ratlos: Die Berlin Capitals stehen, nachdem ihnen die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) am Montag auf ihrer Gesellschafterversammlung die Lizenzbestätigung für die kommende Saison verweigert hat, vor dem Aus. Bis zum 15. Juli hat der Charlottenburger Klub Zeit, die geforderten Auflagen der DEL zur Lizenzerteilung zu erfüllen. Nicht einfach, wenn einen 23 Millionen Mark Schulden drücken und stündlich Konkursanträge drohen. Wie schon am Montag war bei den Capitals auch am Dienstag nur von der Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung die Rede. Ein Termin ist noch nicht gefunden.

Mit einer zum Scheitern verurteilten Idee war der Hauptgesellschafter der Capitals, Egon Banghard, am Montag zur DEL-Sitzung angetreten. Neugründen statt Sanieren: Schnell eine neue GmbH her und sich damit aller Sorgen entledigen. Das war dann fast allen DEL-Klubs doch zu dreist. Selbst bei den Capitals hatte man Banghard davor gewarnt, dass er es mit seinem Vorhaben nicht weit bringen würde. Als es auf der DEL-Gesellschafterversammlung zur Abstimmung kam, erfuhren die Capitals lediglich von der Düsseldorfer EG und vom EHC Eisbären Unterstützung.

Die Stimme des Lokalkonkurrenten war dabei nicht uneigennützig, schließlich beabsichtigte ihr Eigentümer, die Anschutz-Gruppe, sich an einer neugegründeten Capitals-GmbH zu beteiligen. Und völlig scheint Anschutz das Interesse an den Capitals trotz aller öffentlichen Bekundungen noch nicht verloren zu haben. Am Montagabend trafen sich Banghard und Detlef Kornett, europäischer Chef der Anschutz Sports Holding AG, zum Abendessen.

Banghard will noch einmal alle Möglichkeiten ausloten. An einem Kollaps seines Klubs hat der Unternehmer, selbst Darlehensgeber und Bürgschafter der Capitals in Millionenhöhe, kein Interesse - ebensowenig wie die anderen Gesellschafter der Capitals. Würden die auf ihre Darlehen verzichten, könnte sich der Schuldenberg um rund die Hälfte reduzieren. Ob sich aber besagte Herren derartige finanzielle Einbußen leisten können?

Vielleicht hilft dem Berliner Eishockey angesichts dieser ungünstigen Prämissen ein konstruktives Weiterdenken über die marode GmbH der Capitals hinaus. Ein Kollaps des DEL-Teams müsste keinesfalls das Ende des Eishockeys in Charlottenburg besiegeln. Schließlich gab es 1983 - ein Jahr nach dem Rückzug des Berliner Schlittschuh-Clubs aus der Bundesliga - schon mal mit dem BSC Preussen einen Neubeginn im Berliner Westen. Ähnliches wäre für die Capitals auch nicht kompliziert: Der Umbau der Deutschlandhalle wird in jedem Fall abgeschlossen. Die Young Capitals wären von einem Konkurs der GmbH als eingetragener Verein nicht betroffen, und die Nachwuchsabteilung ist im Besitz einer Lizenz für die viertklassige Regionalliga. Einer der Verantwortlichen ist in der Deutschlandhalle auch schon am Grübeln. "Natürlich sind hinsichtlich eines Neuanfangs Überlegungen da", sagt Sportdirektor Lorenz Funk. "Es gibt einen Notplan. Aber noch ist der kein Thema, noch sind 14 Tage Zeit."

Und noch wird auf der Geschäftsstelle der Capitals geschuftet. Ohne Gehalt und das bei drohendem Lizenzentzug. Kein Wunder, dass nicht nur Freude an der Arbeit aufkommen will. Am Montagabend wähnte sich Peter Harbig beim Fanstammtisch der Capitals "allein auf weiter Flur". Über 100 Anhänger der Capitals sorgten in einem überfüllten Lokal allerdings dafür, dass sich der Klub-Sprecher nicht einsam fühlen musste. Harbig durfte sich von den frustrierten Fans so einiges anhören - ohne Unterstützung. Nicht zum ersten Mal gingen die anderen Herren lieber in Deckung. Mitten im schlimmsten Dilemma ihrer Geschichte verkaufen sich die Capitals nicht eben geschickt.

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