Sport : Berlin Capitals: Gehälter liegen nicht mehr auf Eis

Claus Vetter

Vielleicht nimmt die Posse um die Existenzkrise der Capitals doch noch ein glückliches Ende. Gestern sah es danach aus. Nach Angaben des Klubs floss jetzt Geld an die seit über sechs Monaten auf ihr Gehalt wartenden Spieler und Angestellten. Vor einer Woche hatten die Berliner bei der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in letzter Minute einen Bankauszug über 10,6 Millionen Mark vorweisen und so den Lizenzentzug verhindern können. Zunächst hatten die Capitals allerdings keinen Zugriff auf die von ihrem Hauptgesellschafter Egon Banghard eingezahlten Millionen. Vom Gericht wurde währenddessen für Montag mit der Einleitung eines Insolvenzverfahrens gedroht, sollten die Berliner bis dahin nicht solvent sein.

Gestern Nachmittag veranlasste Reinhard Hoffmann, der Steuerberater von Banghard, eine Überweisung auf das Konto der Capitals. Die überwiesene Summe in Höhe von zwei Millionen DM kam jedoch nicht von dem Konto aus Kleve, auf dem die 10,6 Millionen DM für die Capitals angeblich seit einer Woche liegen. Stattdessen kam das Geld von einer anderen Bank aus Köln per Eilüberweisung nach Berlin. Gerhard Brüderer, Prokurist der Capitals, überwies daraufhin die ausstehenden Gehälter für die Spieler und Angestellten. "Das Geld ist angewiesen", bestätigte ein Mitarbeiter der Capitals, "hoffentlich kommt es bis Montag an, ansonsten müssen wir eine Eilüberweisung machen."

Angesichts des angekündigten Geldregens wurde auf Anordnung von Banghard schon mal fleißig umstrukturiert bei den Capitals - mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen. Das Sagen auf der Geschäftsstelle hat künftig Banghards Intimus Andreas Fettchenhauer. Dem neuen Geschäftsführer der Capitals eilt nicht unbedingt der beste Ruf voraus. So akzeptierte die DEL während ihrer Gesellschafterversammlung Mitte Juli Fettchenhauers Konzepte und persönliche Bürgschaften für die Rettung der Capitals nicht.

Der schon seit Anfang der Woche in Berlin weilende einstige Trainer des Capitals-Vorgängerklubs BSC Preussen, Olle Öst, wird währenddessen Nachfolger von Lorenz Funk. Der ehemalige Sportdirektor soll nun im Marketingbereich aktiv werden. Teammanager Lutz Schirmer und Prokurist Gerhard Brüderer bleiben im Amt. Brüderer muss sich allerdings künftig Ausgaben von über 5000 Mark erst von Banghards Steuerberater genehmigen lassen.

Wenn demnächst auch die restlichen gut achteinhalb Millionen DM auf dem Konto der Capitals eintreffen sollten, dann kann an der Zusammenstellung der neuen Mannschaft gearbeitet werden. Die hat der Lokalrivale EHC Eisbären drei Wochen vor Saisonstart natürlich längst zusammen. Heute wird sich das Team von Trainer Uli Egen im Rahmen eines Stadionfestes den Fans präsentieren (Beginn 10 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen).

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