Sport : Berlin Capitals: Hitzefrei

Claus Vetter

Am 1. August beginnen die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit ihren Vorbereitungen auf die am 7. September startende Saison. Jedenfalls fast alle Klubs, denn eine Ausnahme gibt es: die Berlin Capitals. Deren Kader hat derzeit die personelle Stärke einer unterdurchschnittlich besetzten Hobbytruppe. 13 Spieler stehen unter Vertrag, und wer sich von denen so langsam Richtung Berlin aufmachen will, der wird zurückgepfiffen. Teammanager Lutz Schirmer hat sämtlichen Profis per Telefon mitgeteilt, dass sie den heißen Sommer noch ein Weilchen genießen können und am 1. August noch nicht ihren Dienst antreten müssen. Gleiches gilt für Trainer Gunnar Leidborg, der bereits am Donnerstag nach Berlin kommen wollte. Nun bleibt der Schwede erst einmal daheim, vielleicht kommt er auch gar nicht.

Noch immer drückt die Charlottenburger eine Schuldenlast von rund 20 Millionen Mark. Noch immer ist kein Geld aufgetaucht, um Gehälter zu begleichen und drohende Konkursanträge abzuwenden. Wann und von wem in der frisch renovierten Deutschlandhalle über das Eis gehuscht wird, ist ungewiss. Denn bevor man überhaupt bei den Capitals an Eishockey denken darf, muss Geld her, und zwar spätestens bis zum 10. August. Dann will die DEL zehn Millionen Mark auf einem Konto sehen, dies war die Auflage zur Lizenzerteilung. Im zweiten Anlauf hatten die Capitals am 15. Juli auf der Gesellschafterversammlung der DEL den Zuschlag erhalten. Als Bürge für die Millionen fungierte der Hauptgesellschafter der Capitals, Egon Banghard.

Bei besagter Versammlung hatte sich in Abwesenheit von Banghard dessen Geschäftspartner und Intimus Andreas Fettchenhauer in den Vordergrund gespielt. "Ich werde Patronatserklärungen abgeben", verkündete der 27-Jährige. Abgesehen davon, dass "Patronatserklärung" nicht zum Wortschatz der deutschen Sprache zählt, wurden Fettchenhauers Versuche, sich mit schriftlichen Zusicherungen für die Capitals zu verbürgen, von den anderen Gesellschaftern der DEL zurückgewiesen. Trotz dieser Schlappe betrat der Jungunternehmer nach der - dank Banghards Bürgschaft - zustande gekommenen Lizenzbestätigung für die Capitals die mediale Bühne und redete von "der Rettung des Jahrhunderts".

Das Jahrhundert ist noch jung, jünger als die Schulden der Capitals. "Wir arbeiten jeden Tag von morgens bis abends", sagt Joachim Börner, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Capitals. "Aber da sind Probleme zu lösen, die sich in sechs Jahren aufgebaut haben." Laut Börner läuft das "Kapitalerhöhungsverfahren parallel zum Insolvenzverfahren". Nach wie vor drohen Konkursanträge. "Das juristische Gebilde steht", sagt Börner, "die Weichen sind gestellt, es geht nur noch ums Geld. Ob das reicht, wissen wir am 10. August." Zwar prahlte Andreas Fettchenhauer öffentlich von "potenten Sponsoren aus der Baubranche", doch die kennt offensichtlich nur er. Bei der jüngsten Frage nach drohenden Konkursanträgen gab sich Fettchenhauer vor laufender Kamera ungewohnt wortkarg: "Da müssen Sie den Dr. Börner fragen."

Börner allerdings möchte dazu "am liebsten nichts sagen. Denn das ist gefährlich für uns, negative Schlagzeilen schaden uns momentan nur. Schließlich haben wir unheimlich viel bewegt in den vergangenen zwei Wochen." Alle Bewegung hat sich indes auf den Konten der Angestellten der Capitals noch nicht niedergeschlagen, die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle und die Spieler warten seit fünf Monaten auf ihr Gehalt. Mit schönen Worten lässt sich keiner mehr vertrösten. Sollte in den kommenden Tagen kein Geld auftauchen, dann gibt es in der kommenden Saison für den Eishockey-Fan in der Deutschlandhalle wohl nur Spiele der viertklassigen Young Capitals zu bestaunen.

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