Sport : Berlin Capitals: Kein Team für Nürnberg

Claus Vetter

Das Possenspiel bei den Berlin Capitals nimmt ungeahnte Ausmaße an. Zwar erzählt der Bauunternehmer Andreas Fettchenhauer, Intimus des Berliner Hauptgesellschafters Egon Banghard, noch jedem, der es hören will, dass die Schulden des vom Lizenzentzug bedrohten Klubs in Kürze getilgt werden. Ganz nebenbei gerät rund um die Deutschlandhalle so langsam alles aus den Fugen: Gestern mussten die Capitals ihre Teilnahme am Turnier der Nürnberg Ice Tigers absagen. Dort wollten die Berliner zwischen dem 10. und 12. August drei Vorbereitungsspiele auf die am 7. September startende Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bestreiten.

Die Nürnberger reagierten reichlich angesäuert. "Diese Absage trifft uns völlig unerwartet. In der vergangenen Woche haben die Capitals ihre Teilnahme noch bestätigt", sagte Manager Otto Sykora. Auch Fettchenhauer hatte lauthals getönt: "Das Turnier wird in jedem Fall gespielt." Gestern mochte er sich für die Absage dann nicht in der Verantwortung sehen: "Das hat die sportliche Leitung so entschieden." Und dies mit Weitsicht, schließlich stehen die Capitals derzeit ohne spielfähige Mannschaft da, haben nur 13 Spieler unter Vertrag. Beim Lokalrivalen EHC Eisbären etwa müssen die Profis heute zum Dienst antreten. Trainingsrückstand, Wohnungen für die Spieler, Ausrüstung und so weiter - selbst wenn die Capitals noch ein Team zusammenbekommen, bedarf es schon einer logistischen Meisterleistung, um zum Saisonstart eine halbwegs austrainierte Mannschaft zu präsentieren.

Nach dem Stand der Dinge könnte sich das schon in der nächsten Woche von selbst erledigen. Nämlich dann, wenn die Capitals nicht bis zum 10. August 10,6 Millionen Mark zusammenbekommen. Hauptgesellschafter Banghard hatte sich am 15. Juli für diese Summe persönlich verbürgt, sein Freund Fettchenhauer davon geredet, dass man noch neue Partner finden werde, die bei den Capitals investieren würden.

Konjunktive, aus denen noch keine Indikative geworden sind. Von neuen Mäzenen fehlte am Dienstag, zehn Tage vor dem letzten Ultimatum von Seiten der DEL, noch jede Spur. Einer hatte bei den Capitals seinen Optimismus trotzdem noch nicht verloren. "Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es klappt", sagt Andreas Fettchenhauer. Woher soll das Geld für die Capitals denn kommen? "Ich bin bestimmt 20 Stunden im Einsatz und versuche, Kontakte herzustellen", erzählt Fettchenhauer. "Im Augenblick habe ich zum Beispiel große Unterstützung vom Senat. In den kommenden Tagen wird es dann auch eine Besichtigung der Deutschlandhalle mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geben."

Eine schöne Sache, deren Nutzen aber irgendwie nicht so ganz einleuchten will. Die nächsten zehn Tage lang können die Capitals Fans, Spieler und Angestellte mit solchen Geschichtchen vielleicht noch bei Laune halten. Danach aber, am 10. August, zählen vor den DEL-Gesellschaftern nur noch Fakten.

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