Sport : Berlin Capitals: Leere Konten, skeptische Gläubiger

Claus Vetter

Der Tag danach: Alle Panik war verflogen, hektische Betriebsamkeit kehrte dafür ein. In der Geschäftsstelle der Berlin Capitals liefen die Vorbereitungen auf etwas, mit dem noch am Montagmorgen nur tapfere Frohnaturen hatten rechnen können: die nächste Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Am Montagnachmittag hatten die Capitals auf der Ligatagung in Köln im zweiten Anlauf ihre Lizenz bestätigt bekommen. Im entscheidenden Moment störten die DEL nicht einmal mehr die Schulden in Höhe von 23 Millionen Mark, weil die Hälfte dieser Summe von den Gesellschaftern der Capitals gezeichnet wird.

Vor allem der Verzicht von Hauptgesellschafter Egon Banghard auf alle Ansprüche milderte die Schuldenlast beträchtlich. Zudem will Banghard dafür sorgen, dass bis zum 10. August die von der DEL geforderten zehn Millionen Mark auf einem Konto hinterlegt werden. Dann hätten die Capitals alle Auflagen der DEL erfüllt.

Manchem Gläubiger der Capitals ging das alles ein wenig zu einfach. Verteidiger Heinrich Schiffl etwa, inzwischen zum Zweitligisten Ingolstadt gewechselt, wartet schon seit Januar auf sein Gehalt. "Natürlich wäre ich froh, wenn es bei den Capitals weitergeht", sagt Schiffl. "Aber im Augenblick sieht es doch nur so aus, dass die Capitals wieder einen Monat Aufschub von der DEL bekommen haben. Das ist doch lächerlich." Udo Döhler ist ähnlich skeptisch. "Da wollte bei der DEL wohl keiner, dass die Capitals den Bach runtergehen", sagt der Torhüter, der jetzt beim Oberligisten ESV Bayreuth unter Vertrag steht. "Ich hoffe nur, dass die Unterlagen, die der DEL vorgelegt wurden, stimmig sind und dass nun wirklich alle ihr Geld bekommen. Bisher steht das ja nur auf dem Papier."

Besagte Papiere waren Patronatserklärungen - also Zusicherungen von Egon Banghard, und die wurden auf der Gesellschafterversammlung der DEL durchaus kritisch beäugt. Andreas Fettchenhauer, Intimus von Banghard und neuer Gesellschafter der Capitals, sprach von "zähen Verhandlungen". Die dürften den Capitals nun auch in den kommenden Tagen bevorstehen, wenn es darum geht, die drohenden Konkursanträge abzuwenden. Viele wollen Geld sehen, und dies möglichst schnell. Auch der eigentlich nach Köln abgewanderte Schwede Petri Liimatainen wird in der kommenden Woche in Berlin seine Arbeitskraft anbieten, samt Kontonummer. Wann füllen sich denn die Konten der Gläubiger? "Die ausstehenden Gehälter werden im Laufe der Woche überwiesen", sagt Pressesprecher Peter Harbig. "Das hat man uns jedenfalls so gesagt."

Wenn alle Schulden bezahlt sind, können sich die Capitals auch wieder anderen elementaren Arbeiten widmen. Schließlich beginnt schon in sieben Wochen die Saison, das Training müsste spätestens am 1. August beginnen. Mit wem und wo, das steht noch nicht fest. Das ursprünglich geplante Trainingslager bei Prag ist längst abgesagt, eine spielfähige Mannschaft haben die Capitals nicht. Die Torhüter Münster und Mezin, die Verteidiger Frantzen, Pöttinger und François Leroux - der 31-jährige Kanadier, zuvor bei den Springfield Falcons in der American Hockey League (AHL) aktiv, wird seit gestern offiziell dazugezählt - und die sechs Stürmer Ehlers, Lanier, Corriveau, Scherbajew, Worobjew und Ahrendt stehen momentan im Kader.

Das reicht nicht, um in der DEL auch nur eine mittelmäßige Rolle zu spielen. Noch weiß niemand, wer die neue Mannschaft zusammenstellen darf. Andreas Fettchenhauer versprach am Dienstag eine "neue, straffe Geschäftsführung". Das dürfte implizieren, dass man sich den Luxus mit mehreren Managern nicht mehr leisten will. Bis heute sind die Capitals auf dieser Position mit Lorenz Funk und Lutz Schirmer doppelt besetzt. Kaschiert wird das zurzeit noch mit den verschiedenen Titeln, die die betreffenden Herren führen. Funk darf sich Sportdirektor nennen, Schirmer läuft unter Teammanager.

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