Sport : Berlin Capitals: "Nicht mehr unser Team"

Claus Vetter

700 Kilometer trennen die Capitals gegenwärtig von Berlin, doch in Gedanken sind die Verantwortlichen des Eishockeyklubs ihrer Heimatstadt ganz nahe. Es sind jedoch keine guten Nachrichten, die aus der Heimat zu Sportdirektor Lorenz Funk ins Trainingslager des Klubs aus der Deutschen Eishockeyliga (DEL) dringen. Berlins Regierender Bürgermeister, Eberhard Diepgen, hat einen Senats-Beschluss noch einmal bekräftigt: Die Heimstätte der Capitals, die Eissporthalle an der Jafféstraße, soll abgerissen werden und nach der kommenden Saison einem Eingang für das Messegelände weichen. "Aus dem Urlaub hat Diepgen das gemacht", stellt Funk kopfschüttelnd fest. "Es ist traurig, dass unsere Politiker zuerst entscheiden und dann darüber nachdenken, wie die ganze Situation überhaupt ist. Allein der Abriss der Eisporthalle und der Deutschlandhalle würde schon eine zweistellige Millionensumme verschlingen."

Geht es nach dem Senat, dann soll der Verein aus Charlottenburg am Ende der kommenden Saison nach Hohenschönhausen umziehen. Dass die Capitals bis mindestens 2003 beim ungeliebten Lokalrivalen Eisbären spielen, hält Funk für undenkbar. "Allein die Vermarktung der Werbeflächen ist für zwei Vereine in einer Halle nicht möglich - von den Problemen mit den Trainingszeiten für unseren Nachwuchs mal ganz abgesehen." Der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Börner ergänzt: "Wir würden für Hohenschönhausen von der DEL keine Lizenz bekommen. Es sei denn, der Senat übernimmt die für diesen Fall unvermeidbare Unterdeckung des Etats von mindestens fünf Millionen Mark pro Saison." Selbst wenn das passieren würde, müssten die Capitals wohl vor leeren Rängen spielen. Das Sportforum meiden die Anhänger der Capitals nämlich schon seit Jahren. Axel Otto vom Fan-Club "Preussens Gloria" sagt: "Wenn die nach Hohenschönhausen gehen, ist das nicht mehr unser Team."

Trotzdem, das Eis wird für die Capitals in Charlottenburg zunehmend dünner. Erst gestern flatterte Joachim Börner ein Schreiben der Senatsverwaltung für Wirtschaft auf den Tisch. Darin werde noch einmal bekräftigt, dass nach der Saison 2000/2001 über der Eissporthalle die Abrissbirne kreisen werde, berichtet Börner. Und dies sei laut dem Schreiben mit dem Sportförderungsgesetz vereinbar, schließlich arbeite man beim Senat an einer geeigneten Lösung für den Breiten- und Vereinssport. Man werde nun gegen den Senats-Beschluss klagen, sagt Börner. "Die ganze Geschichte schadet uns doch schon jetzt ungemein", sagt Gerhard Brüderer, Prokurist der Capitals. "Die ersten Sponsoren rufen bei uns an, nach Hohenschönhausen wollen die nicht."

Wie die Abrisspläne realisiert werden sollen, ist wohl ungewiss. Die Messe will, so ist zu hören, die Kosten nicht übernehmen. Allein die Entsorgung der Amoniakleitungen unterhalb der Eisfläche verschlinge, laut Funk, eine siebenstellige Summe. "Man muss doch überlegen", sagt Funk, "ob man uns nicht bis zur Fertigstellung der Arena in Siemensstadt in der Deutschlandhalle spielen lässt." Dies sei mit wenig Geld zu realisieren und alle hätten etwas von dieser Lösung, meint Funk. Schließlich koste die leerstehende Deutschlandhalle den Senat derzeit zwei Millionen Mark im Jahr. Gestern kam aus der CDU-Fraktion der Vorschlag, eine provisorische Eishalle für die Capitals zu errichten. Über Standort oder Größe wurde aber nichts gesagt. Die Kosten sollen bei 10 Millionen Mark liegen. Morgen soll es Gespräche zwischen dem Senat und den Capitals geben.

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