Sport : Berlin Capitals: Qualität darf bleiben

Claus Vetter

Wer einem 36-jährigen Eishockey-Spieler einen Zweijahresvertrag anbietet, der muss dafür schon einen sehr guten Grund haben. Heinz Ehlers heißt der Mann, der seine Arbeitskraft auch in den kommenden beiden Jahren in den Dienst der Berlin Capitals stellen wird. Am Mittwoch unterschrieb der technisch versierte Stürmer aus Dänemark einen bis 2003 datierten Vertrag. Das war ein guter Zeitpunkt, zumindest für Heinz Ehlers, der einen Tag später doppelten Grund dazu hatte, seinen 36. Geburtstag zu feiern.

Ehlers ist das Paradebeispiel für die jüngste Personalpolitik des Charlottenburger Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). An der Jafféstraße wird Kontinuität groß geschrieben. Während der Berliner Lokalkonkurrent EHC Eisbären derzeit angesichts der Stoppsignale aus der amerikanischen Zentrale des Teameigners Anschutz mit einem Planungsvakuum leben muss, steht bei den Capitals die Mannschaft für die kommende Spielzeit zu großen Teilen fest. Bereits jetzt haben elf Spieler einen Vertrag für die nächste Saison, und es ist nicht ausgeschlossen, dass in den nächsten Wochen weitere Spieler des aktuellen Kaders dazukommen.

Je oller, desto doller: Ehlers ist trotz seiner 36 Jahre in den zurückliegenden zwei Jahren als großer Spielorganisator nicht unwesentlich am Höhenflug der Capitals beteiligt gewesen. Ähnliches lässt sich auch seinen Mannschaftskollegen attestieren, die zu Beginn der Vorsaison an die Jafféstraße wechselten: Torwart Andrej Mezin, den Verteidigern Martin Ulrich, Mike Pellegrims oder den Stürmern Doug Derraugh, Thomas Sjögren und Anders Huusko. Diese Herren halfen, dass aus dem Tabellenvorletzten des Jahres 1999 schon eine Saison später ein Halbfinalist wurde. Allesamt werden sie den Capitals auch in der kommenden Saison erhalten bleiben. Mezin hat einen Vertrag bis 2004, Ulrich, Pellegrims und eben Ehlers bis 2003. Zudem haben Rob Guillet, Johan Norgren, Pavel Gross und Markus Pöttinger Verträge für das kommende Jahr.

Kontinuität und Erfahrung als Erfolgsgaranten? Der Spielraum für neue Verpflichtungen ist bei den Capitals vergleichsweise gering. Ab der kommenden Saison sind in der DEL nur noch 14 statt bisher 16 Ausländer pro Team erlaubt, neun dieser Positionen haben die Berliner jetzt schon besetzt. Das Durchschnittsalter dieser neun Spieler wird zu Beginn der nächsten Spielzeit übrigens über 31 Jahre betragen. Besteht hier nicht die Gefahr, dass irgendwann der Eisbären-Effekt eintritt? In Hohenschönhausen hatte man zu Erfolgszeiten auch mit langfristigen Verträgen operiert. Allerdings ließen sich dort Triumphe durch Bindung vermeintlicher Leistungsträger nicht konservieren. Lorenz Funk befürchtet keine Parallele bei den Capitals. Der sportliche Niedergang bei den Eisbären sei das Resultat "schlechter Trainingsarbeit" gewesen, sagt der Sportdirektor der Capitals. Der Mann sollte wissen, wovon er spricht: Vor seinem Engagement bei den Capitals arbeitete Funk als Manager bei den Eisbären.

"Du musst immer sehen, dass du einen guten Stamm zusammen hältst", sagt Funk. Bei den Spielern, die sein Arbeitgeber vertraglich gebunden habe, wisse er, "was sie spielen können". Und nicht zu unterschätzen sei dabei auch der Wohlfühlfaktor, sagt Funk. Die Stimmung in der Kabine sei bei den Capitals eben blendend und das ließe sich auch am sportlichen Erfolg ablesen. "Wenn es die Drei-Punkte-Regelung und das Penaltyschießen nicht gäbe, dann wären wir jetzt Erster." So hat Funk das in einsamen und langen Abenden vor dem Videotext jedenfalls ausgerechnet.

Zuletzt waren die Capitals ohne Glück. Sowohl beim 0:2 gegen die Düsseldorfer EG als auch am Freitag beim 3:4 von Frankfurt zogen sie trotz größerer Spielanteile den Kürzeren. Heute, beim Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings (Spielbeginn 15.30 Uhr, Eissporthalle Jafféstraße) soll dies anders werden. Denn natürlich wollen die Berliner am Ende der Hauptrunde auf einem der ersten vier Plätze landen, um so mit günstiger Ausgangsposition in die Play-offs zu starten. Dies ist laut Aussage von Funk zu schaffen, denn: "Wie gesagt, die Mannschaft ist gut."

Und deshalb bleibt sie ja auch in der kommenden Saison zusammen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar