Sport : Berlin Capitals: Seifenoper oder Seifenblase?

Claus Vetter

Seifenoper mit gutem Ausgang oder zerplatzt am Ende nur eine Seifenblase? Bis heute Abend um 23.59 Uhr müssen die Capitals der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einen Kontoauszug über 10,6 Millionen Mark vorgelegt haben. Andernfalls sind sie ihre Lizenz los. Nimmt man die Aussagen des Hauptverantwortlichen der Capitals zum Maßstab, haben die Berliner die geforderte Summe zusammen. "Das Geld wird am Freitagmorgen auf ein Konto eingezahlt", sagte Egon Banghard gestern. Der Hauptgesellschafter der Capitals hatte persönlich bei der DEL für die 10,6 Millionen Mark garantiert.

Rund 23 Millionen Mark Schulden hatten die Capitals noch vor wenigen Wochen. Nachdem vor allem Banghard auf seine Darlehen verzichtet hatte, war nur noch rund die Hälfte übrig. Diese Summe mussten die Capitals zusammenbekommen. Wie der Bauunternehmer nun das Geld beschafft hat, weiß wohl nur er selbst. "Ich habe mit privaten Gönnern, hinter denen bekannte Firmen stehen, gesprochen", sagte Banghard am Mittwoch. Die Zuversicht war bei den Capitals gestern jedenfalls so groß wie schon lange nicht mehr. "Es sieht so aus, als ob es klappt", meinte Prokurist Gerhard Brüderer. Auch Joachim Börner gab sich optimistisch. "Alle Weichen für die neue Saison sind gestellt", sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, "von heute auf morgen kann nun wieder ein geregeltes Leben einkehren."

Auf dem sportlichen Sektor haben tatsächlich die Vorbereitungen auf die am 7. September beginnende Saison der DEL begonnen. Am Mittwoch bat Trainer Gunnar Leidborg erstmals sein Team aufs Eis. Der Schwede war allerdings nur Übungsleiter einer besseren Juniorenmannschaft. Unter den Trainierenden im Eisstadion Wedding war nicht einmal ein Dutzend der Akteure, die in der DEL für die Capitals spielen sollen. Yvon Corriveau und Francois Leroux fehlten, die beiden Kanadier sind noch nicht aus ihrer Heimat zurückgekehrt. Ebenfalls nicht in Berlin ist Verteidiger Rikard Franzén, der Schwede soll inzwischen beim Schweizer Erstligisten SC Bern einen Vertrag unterschrieben haben.

Inklusive Franzén hätten die Capitals noch 13 Akteure unter Vertrag. Eine Mannschaft, die von ihrer Besetzung her nicht mal einen Zweitligisten erschrecken dürfte. Im Falle der Lizenzbestätigung müssten schnellstens neue Spieler verpflichtet werden. Börner ist in diesem Zusammenhang aber optimistisch. "Wenn Freitag alles gut geht, dann läuft das mit den neuen Spielern ganz schnell", sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrates, "dann sind alle schlechten Zeiten vorbei." Gute Zeiten auf schlechte Zeiten? Der heutige Tag wird zeigen, ob das Monate währende Schauspiel um die Capitals nur eine Komödie war oder doch als Tragödie endet.

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