Sport : Berlin Capitals: Später Frieden auf dem Eis

Claus Vetter

Die Tinte unter dem Vertrag war kaum trocken, da stießen der Staatsekretär und die Verantwortlichen der Berlin Capitals schon mit Sekt an. Ein feucht-fröhliches Ende der Dauerfehde zwischen Senat und dem Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Gestern einigten sich beide Seiten über den Nutzungsvertrag für die Eissporthalle an der Jafféstraße. Die Capitals akzeptierten die Bedingungen von Senats und dem Hallenbetreiber Messe GmbH: Künftig müssen sie sieben Prozent der Zuschauereinnahmen abführen, dazu 339 Mark pro Trainingseinheit und 100 000 Mark für Werbung in der Halle zahlen und eine Bürgschaft über 330 000 Mark hinterlegen.

Anfang August hatte der Streit um den Nutzungsvertrag ungeahnte Höhepunkte erreicht. Pünktlich zum ersten Training in der Eissporthalle wurde den Capitals das Licht abgedreht, weil die Berliner den - im Vergleich zur Vorsaison für sie ungünstigen - Vertrag nicht akzeptieren wollten. Zuletzt war Lorenz Funk sogar eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch ins Haus geflattert. Der Manager hatte die Spieler seinerzeit aufgefordert, trotz abgedunkelter Eisfläche weiter zu trainieren.

Die letzte Verhandlungsrunde mit dem auf Senatsseite zuständigen Sportstaatssekretär Frank Ebel sei "überraschend friedlich" verlaufen, berichtet Christian Lüder, der dem Aufsichtsrat der Capitals angehört. "Wir haben unterschrieben und dann Rotkäppchen-Sekt getrunken." Zuvor war allerdings eine Unterschrift zu leisten, und an diesem Akt hatte Lüder nicht nur Freude. Schließlich kamen Senat und Messe den Capitals bei der Modifizierung des Vertragtswerks nur wenig entgegengekommen: "Aber wir mussten die Kröte schlucken", sagt Lüder, "sonst wäre uns die Zeit weggelaufen." Schon morgen beginnt die DEL-Saison, am Sonntag steht das erste Heimspiel der Capitals auf dem Terminplan.

Das Thema Nutzungsvertrag sei trotz der Unterschrift keinesfalls vom Tisch, sagt Lüder. "Wir hoffen, dass wir wieder als förderungswürdiger Klub eingestuft zu werden, auch wenn wir den Status einer GmbH haben. Man hat uns zugesagt, dass man das relativ kurzfristig überprüfen wird." Sollten die Capitals ihren alten Status zurückerhalten, wären das Training wieder kostenlos, zudem wären Zuschauerabgaben erst ab dem 3000. Besucher zu entrichten. Die Chancen dafür stehen offensichtlich nicht so schlecht, denn aus der Politik gibt es Schützenhilfe. "Wir haben 1998 vereinbart, dass Eisbären und Capitals genauso wie die förderungswürdigen Sportvereine zu behandeln sind", sagt Axel Rabbach, der sportpolitische Sprecher der CDU.

Bei der Mannschaft ist das Thema Eissporthalle offiziell tabu. "Bei Saisonstart redet darüber doch sowieso keiner mehr", glaubte Michael Komma noch, als seiner Mannschaft beim Training das Licht abgedreht wurde. Der Wunsch des Trainers nach Ruhe an der Jafféstraße dürfte wohl so schnell nicht in Erfüllung gehen, denn die nächste Runde ist bereits eingeläutet: Es geht um den geplanten Abriss der Eissporthalle nach der Saison. Nach Hohenschönhausen zu den Eisbären, dahin wollen die Capitals nämlich nicht. "Entweder wird die Deutschlandhalle umgebaut", sagt Lüder, "oder die Eissporthalle bleibt stehen, bis die Mehrzweckhalle in Spandau fertig ist."

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