Sport : Berlin Capitals: Tore für den Adrenalinspiegel

Claus Vetter

Was hat sich Rob Guillet nicht schon alles anhören müssen. "Gilette", "Gelee" und so weiter. Wenn man als Frankokanadier in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) unterwegs ist, dann ist man über die Phantasie der Stadionsprecher manchmal überrascht. "Oder amüsiert", fügt der Stürmer der Berlin Capitals hinzu. "Aber das kenne ich aus Kanada. Überall dort, wo Englisch gesprochen wird, sind die auch sehr einfallsreich bei der Betonung französischer Namen."

Guillet ist es egal. Je häufiger er seinen Namen hört, desto besser für ihn und die Capitals: Wie am Sonntag, beim zweiten Viertelfinale gegen die Mannheimer Adler. Dort wurde Guillets Namen nach seinem Tor zum 4:3 in der Verlängerung richtig betont, das Spiel fand in Berlin statt. Nicht zum ersten Mal war er der Mann für das entscheidende Tor. Im Vorjahr, beim dritten Viertelfinalspiel in Krefeld, da schallte es gleich dreimal "Gilette" aus dem Lautsprecher. Guillet hatte die Pinguine fast im Alleingang eingeseift und natürlich auch das 4:3 in der Verlängerung geschossen.

Am Sonntag hat Guillet sein Saisontor Nummer 17 erzielt. Drei Spieler der Capitals haben häufiger getroffen, doch was heißt das schon. Tor ist eben nicht Tor. Es gibt Spieler, die brillieren in der Vorrunde und verstecken sich in den Play-offs. Guillet, an dem sich einst die Montreal Canadiens aus der nordamerikanischen Profiliga NHL die Rechte sicherten, gehört nicht zu dieser Fraktion. In die NHL hat er sich zwar nie vorkämpfen können, trotzdem erarbeitete er sich später in Italien, der Schweiz und dann in Berlin den Ruf als ein Spieler, der da ist, wenn es um etwas geht. "Die Play-offs sind für mich das Größte", sagt der 29-Jährige, "da geht der Adrenalinspiegel richtig hoch." Beim 1:5 von Mannheim war offensichtlich weniger Adrenalin im Spiel? "Bei der Anreise am Freitag lief vieles schief. Da kam keine Stimmung auf." Wen interessiert es noch, die Capitals haben sich am Sonntag rehabilitiert. Und das tut nach aller Diskussion um die Finanzkrise gut. Auch Guillet, der noch ein Jahr Vertrag hat und hofft, dass es in Berlin weitergeht, "denn es gefällt mir gut hier".

Heute geht es für die Capitals in Mannheim weiter. Ist der Favorit nach dem 3:4 geschockt? "Glaube ich nicht", sagt Guillet, "aber die wissen nun, dass wir dagegenhalten." Und da die Möglichkeit besteht, dass sich die Capitals ähnlich gut verkaufen wie am Sonntag, sollte Mannheims Stadionsprecher schon mal die Berliner Aufstellung pauken. Denn da gibt es neben Guillet noch andere Stolpersteine. "Die Capitals haben Glück, dass der Corriveau heute nicht mitspielt", sagte ein Mannheimer Journalist am Freitag. Warum? "Der heißt hier Zorriwehau." Dann schon lieber Rasierschaum oder Konfitüre.

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