Sport : Berlin Capitals: Zwei Modelle zur Rettung des Klubs

Claus Vetter

Eines haben die politischen Parteien Berlins und die Capitals aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) momentan gemeinsam: Das Leben mit einem Termin, der für die berufliche Zukunft nicht unwesentlich ist. Am 21. Oktober sind die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus, dann wird darüber abgestimmt, wer in Berlin regiert. Ob in der kommenden Saison in der frisch renovierten Deutschlandhalle Profi-Eishockey gespielt wird, entscheidet sich früher. Am 15. Juli läuft die Frist aus, welche die DEL dem hochverschuldeten Klub nach der Verweigerung der Lizenzbestätigung am 1. Juli gewähren musste.

Die Not der Capitals und der in Wahlkampfzeiten naturgemäß starke Öffentlichkeitsdrang der Volksvertreter führt nun zu einer Symbiose: In den kommenden Tagen werden sich die Capitals mit Vertretern aller großen politischen Parteien zusammensetzen, darunter sind sogar Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters.

Dass bei diesen Treffen für die Capitals mehr als moralische Unterstützung von politischer Seite herausspringt, wäre angesichts leerer Kassen an der Spree überraschend. Das Geld für den Fortbestand des Klubs sollen andere geben. Bis in die frühen Morgenstunden des Donnerstags tagten Egon Banghard, Hauptgesellschafter der Capitals, und sein Vertrauter Andreas Fettchenhauer, mit potenziellen Investoren. Ergebnisse dieser Unterredungen wurden gestern nicht vermeldet, am Abend sollten die Gespräche fortgesetzt werden.

Laut Fettchenhauer existieren zwei Modelle zur Rettung des Klubs. Einmal möchte ein potenzieller Investor mit einem fast zweistelligen Millionenbetrag einsteigen im Gegenzug dafür den Großteil der Anteile an der Capitals GmbH erhalten. Ferner wird mit anderen möglichen Geldgeber verhandelt. Deren Einstieg würde zur Folge haben, dass mehrere Parteien Anteile - darunter auch Banghard - an der Gesellschaft halten würden. Gerüchte, nach denen ein deutscher Baukonzern beabsichtigt, die Capitals zu kaufen wurden gestern dementiert. "Wir bevorzugen die Variante mit mehreren Gesellschaftern", sagt Fettchenhauer.

Bei Redaktionsschluss waren die Gespräche mit den verschiedenen Interessenten noch nicht beendet. Mit einer Entscheidung war laut Fettchenhauer auch am Donnerstag noch nicht zu rechnen. "Wir hoffen, dass wir die Dinge bis zum Freitagabend geklärt haben", sagte der Bauunternehmer. Viel mehr Zeit bleibt den Capitals auch nicht, denn bis Sonntag muss der Klub Gernot Tripcke, dem Geschäftsführer der DEL, sein Konzept vorgelegt haben.

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