Berlin : Janine Pietsch schwimmt Weltrekord

Die deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin hatten am Mittwoch drei grandiose Höhepunkte. Janine Pietsch schwamm sensationell zum Weltrekord, "Oldie" Mark Warnecke und Thomas Rupprath zu deutschen Rekorden und Weltjahresbestzeiten.

Berlin (25.05.2005, 17:02 Uhr) - "Ich muss ganz ehrlich sagen, ich weiß gar nicht, woran das gelegen hat", sagte die Ingolstädterin nach ihrem Coup über 50 m Rücken in 28,19 Sekunden. Der Essener Warnecke holte sich über 50 m Brust mit deutschem Rekord in 27,44 Sekunden Titel und WM-Ticket. Und der Hannoveraner Thomas Rupprath schwamm sich nach zwei Niederlagen in 23,59 Sekunden den Frust von der Seele. Überraschungssieger über 200 m Freistil wurde der erst 18 Jahre alte Paul Biedermann aus Halle/Saale.

Janine Pietsch verbesserte den fünf Jahre alten Weltrekord von Sandra Völker (Berlin) um 6/100 Sekunden und empfahl sich eindrucksvoll für die Weltmeisterschaften im Juli in Montréal. «Ich habe schon am Morgen im Vorlauf gemerkt, dass ich gut im Rennen bin», sagte sie. Dabei hatte sie seit Januar mit Krankheiten zu kämpfen. Cheftrainer Ralf Beckmann war begeistert: «Das ist ein echter Knaller.» Antje Buschschulte löste als Zweite ebenfalls das WM- Ticket. Sandra Völker blieb nur Rang drei. Janne Schäfer aus Wolfsburg löste über 50 m Brust Simone Weiler (Heidelberg) als Titelträgerin ab und qualifizierte sich in 31,68 Sekunden für die WM.

Der 35 Jahre alte Warnecke mischte nach seinem Triumph über 100 m Brust die Herausforderer auch über 50 m auf. Der Mediziner hat seit Einführung der Disziplin 1990 alle Titel gewonnen. «In Montréal will ich noch schneller sein», kündigte Warnecke an, dem beim Start die Badekappe und die Brille herunterrutschten: «Scheiße, ich habe überhaupt nichts mehr gesehen.» 14 Kilogramm hat er für die WM abgespeckt. Es hat sich gelohnt. Beckmann: «Der Mark ist ein irrer Typ. Er wird bei der WM schon Kontakt zu den Medaillenrängen kriegen können, das ist ihm zuzutrauen.» Warnecke-Coach Horst Melzer traut ihm sogar den Weltrekord zu.

«Ein Superrennen», sagte Rupprath nach seinem Befreiungsschlag über 50 m Schmetterling, «mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Die Konkurrenz war extrem stark.» Der Zweitplatzierte Oliver Wenzel (Berlin) löste in 23,88 Sekunden ebenfalls das WM-Ticket. Auch Annika Mehlhorn darf nach 59,31 Sekunden als Siegerin über 100 m Schmetterling nach Kanada. Die Baunatalerin hat bereits die 200 m gewonnen. Titelverteidigerin Franziska van Almsick (Berlin) hat ihre Karriere beendet.

Biedermann qualifizierte sich in 1:48,73 Minuten über 200 m Freistil für die WM. Der 21 Jahre alte deutsche Rekord (1:47,44) von Michael Groß blieb aber unangetastet. «Ich hatte ein bisschen Wut im Bauch, weil ich über 400 Meter Freistil die Norm verpasst hatte», sagte der Jugend-Europameister von 2004, «ich bin mehr als zufrieden.» Stefan Herbst (Leutzsch) schwamm als Zweiter an der Richtzeit vorbei. Titelverteidiger Jens Schreiber hatte seinen Start wegen eines Infekts abgesagt. (Von Richard Janssen und Dietmar Fuchs, dpa)

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