Sport : Berlin-Marathon: Ein Statist als Hauptdarsteller

Ernst Podeswa

Es gibt Leute, die wollen gewusst haben, dass der Sieger Joseph Ngolepus heißen würde. Vielleicht hatten sie entsprechende Informationen von Volker Wagner aus Detmold. Bei jenem trainiert und lebt eine Läufergruppe aus Kenia mit der erfolgreichen Tegla Loroupe. "Ich komme aus der gleichen Region Kenias wie Tegla und habe sie kennen gelernt, als ich 1997 ernsthafter zu trainieren anfing", sagt der 26-jährige Ngolepus. Auf deren Vermittlung kam er 1998 in Wagners Lauf-WG und debütierte 1999 auf der Marathondistanz mit 2:16 Stunden. Im Vorjahr steigerte er sich in Rotterdam als Vierter auf 2:08:49 und erwies sich da als Mann mit Zukunft.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon In Berlin hatte er sich den Organisatoren und seinem namhaften Landsleuten Willi Cheruiyot und William Kiplagat dennoch nur als Helfer angeboten. In der Sprache der Läufer als Pacemaker (Tempomacher) geläufig. Dieser Job wird bei Toprennen mit 2000 bis 5000 Mark vergütet. Nicht schlecht für einen "Namenlosen" in der Heerschar kenianischer Spitzenläufer. Als er dann aber gestern bei etwa 25 km gemerkt habe, "dass die anderen an dem Tage nicht mehr drauf hatten", entschloss sich der "Hase" zum Weiterlaufen. "Ich dachte an meinen Freund Simon Biwott, der hier im Vorjahr als Pacemaker die Favoriten geschlagen hatte." Vielleicht dachte Ngolepus auch an eine neue persönliche Bestzeit oder an die Siegprämie von 50 000 Mark. Gleichgültig wie - nach 35 km hatte sich die anfänglich 26-köpfige Spitzengruppe auf vier reduziert. "Da realisierte ich, dass ich sogar gewinnen könnte."

Das hatten zu diesem Zeitpunkt auch längst seine Mitläufer beobachtet. Nicht gerade erfreut, aber durchaus sportlich fair bestätigte der zweitplatzierte Cheruiyot auf der Pressekonferenz: "Ich habe schon von den ersten Kilometern an gesehen, dass Joseph sehr stark war." Deshalb habe er auch bei Kilometer 30, die Stelle, an der die Tempohasen meist aus der Spur gehen und per Fahrzeug zum Hotel kutschiert werden, nicht mit dessen Aussteigen gerechnet.

So überraschend der Sieg des Tempomachers, dessen Name in keiner Favoritenliste auftauchte, nach 2:08:47 Stunden war, so scheint dies durchaus im Trend zu liegen. Denn Biwott im Vorjahr entwuchs der Rolle des Statisten ebenso wie der Kenianer David Ngetich 1999 in Hamburg. Und auf der Flucht nach vorn wurde Francis Naali aus Tansania 1996 in Berlin erst auf dem letzten Kilometer vom siegreichen Mitfavoriten Abel Anton aus Spanien überspurtet.

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