Sport : Berlin-Marathon: Eisschnellläuferin Pechstein läuft auf Inline-Skates

Felix Modelsee

Die österreichische Eisschnellläuferin Emese Hunyady hat einmal gesagt: "Sie ist die einzig Lustige bei den Deutschen." Weil aber nur jemand lustig sein kann, der Spaß im Leben hat, muss auch für letzteren gesorgt werden. "Ich genieße es, ohne Wettkampfdruck zu fahren", sagt die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Das ist der Grund, warum die zweifache Olympiasiegerin am 27. Berlin-Marathon als Inline-Skaterin teilnimmt. Außer Spaß gibt es dabei nicht viel zu gewinnen. Claudia Pechstein ist eine "normale" Teilnehmerin, bekommt kein Startgeld und die 4000 Euro Siegprämie bei den Skatern fallen geradezu kärglich aus im Vergleich zu den 50 000 Mark, die die Sieger im Laufwettbewerb erhalten.

Zum vierten Mal gehen die Inline-Skater beim diesjährigen Berlin-Marathon an den Start. Auch für Pechstein ist es der vierte Marathon. Der zweite in Berlin, wo sie 1998 als Dritte ins Ziel rollte. Diese Platzierung wird schwierig zu wiederholen sein, weil am Sonntag mit 6600 mehr als dreimal soviele Inline-Skater teilnehmen wie 1998. Zudem hat in den letzten Jahren in der Boom-Sportart Inline-Skating eine spürbare Professionalisierung stattgefunden. Die Siegerzeit der Frauen wurde letztes Jahr um fast fünf Minuten gesteigert, bei den Männern sogar um über sieben Minuten. Einmal hatte die 28-Jährige sogar das Angebot eines Profiteams auf den Tisch bekommen. "Das war aber wenig lukrativ" erzählt Pechstein. Deshalb räumt sie den Kufen und dem Eis weiterhin den höchsten Stellenwert ein, vor allem der 5000-Meter-Strecke, auf der sie 1994 in Lillehammer und 1998 in Nagano bei den Olympischen Winterspielen jeweils die Goldmedaille gewann. Trotzdem merkt auch die Eisschnellläuferin etwas vom Marathon-Mythos: "Die Strecke reizt allein schon wegen ihrer besonderen Geschichte. Und es ist einfach toll, so ein Riesen-Ereignis mitzuerleben." Eine Million Zuschauer werden die insgesamt 40 000 Athleten von den Straßenrändern anfeuern. Darüber hinaus freut sich Pechstein auf das Rennen, weil Berlin ihre Heimatstadt ist.

Den Wechsel von Eis auf Asphalt ist Pechstein gewohnt. Sie trainiert bereits seit über zehn Jahren in den Sommermonaten auf Rollen. Wie auch in diesen Tagen: Nach Berlin reist sie aus Frankreich an, wo die deutsche Eisschnelllauf-Nationalmannschaft gerade ein Höhentrainingslager absolviert. Der Ausflug auf die Marathondistanz wird von ihrem Trainer Joachim Frank ausdrücklich begrüßt; er sei froh, wenn sie ein bisschen mehr tue, versichert Pechstein. Lediglich der plötzliche Höhenunterschied werde ein kleines Problem bereiten. Erfüllt sich der Wunsch, dass das Rennen frei von Stürzen bleibt, könnte Pechstein wieder etwas zu lachen haben.

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