Sport : "Berlin-Marathon wäre akut gefährdet"

Berliner Sportfunktionäre haben gegen Sparpl&

Dietrich Gerber ist Vizepräsident des Landessportbundes und Vorsitzender des Olympiastützpunktes Berlin.

Berliner Sportfunktionäre haben gegen Sparpläne protestiert, die während der Koalitionsverhandlungen bekannt wurden. Jetzt sind die Gespräche zwischen SPD, FDP und Grünen gescheitert. Sind Sie erleichtert?

Ja, ich denke eine Koalition zwischen SPD und PDS verspricht mehr Stabilität - auch sportpolitisch.

Was hätten Sie denn bei einer Ampelkoalition für den Sport erwartet?

Das Schlimmste. Aus Verhandlungskreisen weiß ich, dass dem Berliner Sport 20 Prozent seiner Fördermittel gestrichen werden sollten. Bei unserer derzeitigen Kernförderung von 22 Millionen Mark bedeutet das einen Fehlbetrag von mehr als vier Millionen Mark. Sogar die Direkt-Finanzierung durch die Lotto-Mittel wollte man uns streitig machen.

Aber auch die PDS möchte die Lottomittel in den Haushalt einstellen und nicht mehr direkt dem Sport zukommen lassen ...

Ja, das ist richtig. Aber das ist der einzige Punkt, den wir an der PDS kritisieren. Bei der Sportförderung hat die PDS vor der Wahl viele Dinge gesagt, die wir auch vertreten.

Muss denn nicht auch der Sport seinen Beitrag zur Konsolidierung leisten?

So einfach ist das nicht. Wir haben langfristige Verpflichtungen. Die Landestrainer besitzen Arbeitsverträge mit vierjähriger Laufzeit, die bis zu den Olympischen Spielen 2004 gelten. Das sind 5,7 Millionen Mark pro Jahr, an die wir nicht ran können.

Wo können Sie denn ran?

Also, wenn wir jetzt noch einmal von den Einsparungen in Höhe von vier Millionen Mark ausgehen - die nun hoffentlich vom Tisch sind -, dann ginge es an die Substanz. Wir könnten die Ausfallbürgschaften für sportliche Großveranstaltungen streichen. Das hieße aber, dass es keine finanzielle Absicherung mehr für den Berlin-Marathon oder die Volleyball-Europameisterschaft geben würde. Die Planungssicherheit wäre weg. Und damit wäre zum Beispiel der Berlin-Marathon akut gefährdet.

Sie werden ums Sparen aber nicht herumkommen.

In den vergangenen Jahren haben wir bereits 20 Prozent unseres Budgets eingebüßt. Wir konnten unter großen Mühen Sportstätten erhalten und Leistungzentren aufbauen. Wir haben uns in einigen Sportarten internationale Anerkennung erworben, etwa im Eisschnelllaufen. Wenn wir das jetzt runterfahren, machen wir alles wieder kaputt.

Gibt es Sportarten, auf deren Förderung Berlin verzichten könnte?

Derzeit fördern wir schwerpunktmäßig 20 Sportarten. Da sind natürlich einige dabei, bei denen auch mittelfristig keine großen Erfolge zu erwarten sind.

Zum Beispiel?

Die Situation im Ringen ist problematisch. Hier wird es in Zukunft besser sein, dass wir uns zurückziehen. Die jungen Sportler finden in Brandenburg gute Bedingungen vor, etwa in Luckenwalde oder Frankfurt an der Oder. Sie sollten dort hingehen.

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