Berlin-Marathon : Wilson Kipsang: 2011 fehlten nur vier Sekunden

Der Kenianer Wilson Kipsang Kiprotich ist der große Favorit des diesjährigen Berlin-Marathons. Am Sonntag will der 31-Jährige in Berlin den Weltrekord angreifen, den sein Landsmann Patrick Makau vor zwei Jahren in Berlin aufgestellt hat.

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Achtung, Linksverkehr. 2012 in London gewann Kipsang Olympia-Bronze. Foto: AFP
Achtung, Linksverkehr. 2012 in London gewann Kipsang Olympia-Bronze. Foto: AFPFoto: AFP

Normalerweise strahlen Sieger über das ganze Gesicht, wenn sie bei einem großen City-Marathon ins Ziel laufen – nicht so Wilson Kipsang Kiprotich vor zwei Jahren in Frankfurt. Mit einem grandiosen Streckenrekord von 2:03:42 Stunden war der Kenianer ins Ziel gestürmt. Doch die Freude hielt sich in Grenzen, sein Gesichtsausdruck hatte sogar etwas Verärgertes. Um winzige vier Sekunden hatte er den Weltrekord verpasst, den sein Landsmann Patrick Makau einen Monat zuvor beim Berlin-Marathon mit 2:03:38 aufgestellt hatte.

Am Sonntag startet Kipsang nun zum ersten Mal in Berlin. Auf der aktuellen Weltrekordstrecke will der 31-Jährige die Bestzeit von Patrick Makau angreifen. „Das Rennen in Frankfurt hat mir gezeigt, dass es möglich ist, den Weltrekord zu brechen. Ich habe diese Zeit immer im Kopf gehabt während meiner Vorbereitung auf Berlin“, sagte Kipsang. Trotz der verletzungsbedingten Abwesenheit von Patrick Makau trifft Wilson Kipsang jedoch auf starke Konkurrenz. Sein nicht mit ihm verwandter Namensvetter Geoffrey Kipsang und Eliud Kipchoge, beide kenianische Landsleute, sind ebenfalls sehr hoch einzuschätzen.

Wilson Kipsang ist rund 50 Kilometer entfernt von dem Ort Iten, einem Trainingszentrum der kenianischen Topläufer, als Kind einer Farmerfamilie aufgewachsen. Doch im Gegensatz zu dem im Hochland liegenden Städtchen lebte Kipsang in seiner Kindheit im Tal und profitierte in dieser Zeit nicht von der leistungsfördernden Höhenluft. Er musste auch nicht, wie viele andere kenianische Athleten, weit laufen, um zur Schule zu kommen. „Ich habe erst in der Oberschule bei Wettkämpfen gemerkt, dass ich Talent habe“, sagt Kipsang.

Doch es dauerte noch einige Jahre, bevor der Kenianer mit richtigem Training begann. Nach der Schule arbeitete er zunächst als Zwischenhändler von Farm-Produkten. „Aber nach drei Jahren wollte ich das nicht mehr machen“, erzählt Kipsang, der dann in Iten mit dem Lauftraining begann. „Ich war 21 Jahre alt und wollte es mit dem Laufsport versuchen.“ Es war das Jahr 2003, Paul Tergat brach in Berlin den Marathon-Weltrekord. „Das war eine große Motivation für mich und für viele kenianische Läufer. Ich habe das Rennen im Fernsehen verfolgt“, sagt Kipsang.

Bei kenianischen Läufen hatte Wilson Kipsang bald Erfolg, über Trainingspartner kam der Kontakt zum holländischen Manager Gerard van de Veen zustande. Dadurch bekam er die Chance, sein Talent in Europa unter Beweis zu stellen. Ein für ein Straßenrennen im norddeutschen Schortens verpflichteter Kenianer fiel 2007 verletzt aus, und so schickte van de Veen kurzfristig Wilson Kipsang in den Zehn-Meilen-Lauf. „Ich hatte Glück und habe diese Chance genutzt“, erzählt Kipsang, der das Rennen gewann, einen zehn Jahre alten Streckenrekord brach und eine Jahresweltbestzeit aufstellte – der Anfang seiner internationalen Karriere.

Wöchentliche Trainingsumfänge zwischen 140 und 200 Kilometern bilden die Grundlage für den Erfolg von Kipsang, der neben zwei Frankfurter Marathonsiegen (2010 und 2011) auch den hochkarätigen London-Marathon 2012 gewann. Bei den Olympischen Spielen 2012 war er einer der großen Favoriten, lag lange Zeit in Führung, fiel dann aber noch auf Rang drei zurück.

Mit Weltrekordler Patrick Makau hat Kipsang einiges gemeinsam: Beide liefen in Deutschland zu ihren ersten Erfolgen, beide haben schon zusammen trainiert, beide haben keinen Trainer. „Wir stellen uns unser Trainingsprogramm selbst zusammen. Entscheidend ist dann, dass wir das Programm auch stringent befolgen. Wenn wir das tun, brauchen wir nicht unbedingt einen Trainer“, erklärt Wilson Kipsang, der den Marathonlauf mit einer Schulprüfung vergleicht: „Wenn du erst in der Nacht davor anfängst zu üben, ist es zu spät. Du musst dich gut vorbereiten, dann kannst du auch zuversichtlich sein.“

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