Sport : Berlin Thunder: Aller guten Dinge müssen schon drei sein

Ingo Wolff

Ostern ist die beste Zeit, sich mit Eiern zu beschäftigen. Und damit das ovale Vergnügen nicht am Ostermontag schon wieder vorbei ist, startet in der kommenden Woche das Spiel mit den Eiern der besonderen Art. Am 21. April beginnt Saison Nummer zehn in der europäischen Footballliga NFL Europe. Berlin Thunder ist zum dritten Mal beteiligt und eröffnet die zehnwöchige Spielzeit im Jahnstadion gegen die Barcelona Dragons. Ob die PR-Strategen der nordamerikanischen Profiliga NFL den Start ihres Ablegers bewusst so zeitnah an Ostern gelegt haben, ist ebenso geheim wie der Inhalt der ovalen Präsente.

Weniger geheim ist, dass die Bosse aus dem Headquarter der NFL in New York mit Sorge nach Europa schauen. Die Liga mit den sechs Mannschaften entwickelt sich nicht so rasant wie erhofft. Football ist in Europa noch immer keine ernst zu nehmende Konkurrenz für Fußball, Basketball und Eishockey. Der europäische Ableger findet lediglich bei den NFL-Teams größere Beachtung. Das lässt sich aus der höheren Anzahl und Qualität der entsandten Spieler ableiten. Allerdings wirft außer dem Team von Frankfurt Galaxy kein anderes Gewinn ab - Rhein Fire Düsseldorf liegt immerhin nicht in der Verlustzone. Das ist aber neben der Steigerung der Popularität auf dem gesamten Erdball entscheidendes Ziel, schließlich pumpen die Besitzer der NFL-Teams nicht ohne Grund Millionen nach Europa. Die Zahlen bewegen sich um die 100 Millionen Mark für fünf Jahre. Irgendwann aber wollen sie verdienen.

Alle Teams befinden sich jedoch im Rahmen ihrer von der NFL vorgegebenen Planzahlen. Berlin Thunder erwirtschaftet noch ein Minus von zwei bis drei Millionen Mark pro Jahr, "doch bis 2004 arbeiten wir kostendeckend", sagt Michael Lang. Damit der General Manager und sein Team dieses von der NFL erwartete Ziel erreichen, muss in dieser Saison endlich auch sportlich der Durchbruch geschafft werden.

Mit einem Schnitt von rund 9200 Zuschauern im ersten und 9500 im zweiten Jahr haben die Berliner eine in dieser Stadt beachtliche Aufmerksamkeit erhalten. Sportlich aber blieb das Team jedes Mal deutlich hinter den Erwartungen zurück: zweimal Platz sechs, also zweimal Letzter. In dieser Saison (Finale am 30. Juni in Amsterdam) ist das Team um Headcoach Peter Vaas zum Erfolg verdammt, will es nicht im umkämpften Berliner Zuschauermarkt an Boden verlieren. Immerhin bietet Thunder mit Jonathan Quinn den wohl besten Quarterback der Liga auf.

Doch selbst wenn es sportlich nicht klappt, können Lang und Co. auf einen enormen Vorteil in ihrem Sport bauen. Denn Football-Fans kommen nicht nur wegen des Spiels ins Stadion. Sie wollen feiern, und deshalb bietet ihnen Thunder eine dreistündige Party vor dem Kick-off (Anstoß) an. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Neugier. "Von den Zuschauern kennt etwa ein Drittel die Regeln", schätzt Lang, "und davon sind noch mal die Hälfte Hardcore-Fans mit allen Fakten." 70 Prozent im Stadion lassen sich vom Spiel überraschen.

Das könnte Thunders größtes Potenzial sein, denn der Name hat sich in den zwei Jahren eingeprägt. "Ich glaube, dass unsere Bekanntheit schon sehr hoch ist", sagt Lang. Eine Umfrage, die von Thunder in Auftrag gegeben wurde, ermittelte einen Bekanntheitsgrad von 60 Prozent. Doch seit dieser Befragung sind neun Monate vergangen - neun Monate, in denen Football aus dem Blickfeld geraten ist. Dennoch hofft Lang für dieses Jahr auf einen Schnitt von über 10 000 Zuschauern. "Diese Schätzung ist konservativ", sagt Lang. Begründet wird sein Optimismus vom guten Vorverkauf der Saisonkarten. Der liegt mit 1667 Tickets schon deutlich höher als im Vorjahr (998). Weitere Windeier kann er sich nach seinen großspurigen Ankündigungen in den Vorjahren, die dann nicht eingetroffen sind, nicht mehr erlauben. Deshalb spricht er zum Beispiel nicht mehr vom Erreichen des Endspiels. Das überlässt Lang der Mannschaft. Aber leise hoffen darf er schon.

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