• Berlin Thunder: Der Verein hat in der zweiten NFLE-Saison kaum Fortschritte gemacht

Sport : Berlin Thunder: Der Verein hat in der zweiten NFLE-Saison kaum Fortschritte gemacht

Ingo Wolff

Wie sich die Bilder gleichen. Erst starten die Footballer von Berlin Thunder euphorisch in die Saisonvorbereitung, proklamieren sogar als Ziel den Einzug ins Endspiel der NFL Europe (NFLE) und stehen am Ende doch nur auf dem letzten Platz. Da sieht man bei dem kritischen Publikum in Berlin schon dumm aus, wenigstens wenn man auch im zweiten Jahr nichts dazugelernt hat. Doch diesmal war es nicht Thunders General Manager Michael Lang, der vollmundig das hochgesteckte Ziel ausgab und sich wie im letzten, dem Premierenjahr an seinen Aussagen und dem katastrophalen Ausgang messen lassen musste. Diese Rolle übernahmen diesmal die Spieler und Headcoach Peter Vaas.

Lang hatte aus seinen Fehlern gelernt und gab sich betont zurückhaltend. "Talk shit - get hit" zu Deutsch: wer die Klappe zu weit aufreißt, wird Prügel einstecken - das war sein neuer Ansatz gewesen. Er sollte damit Recht behalten, wenn auch nicht so wie erhofft. So stehen Rhein Fire Düsseldorf und die Scottish Claymores am Sonntag im Frankfurter Waldstadion im World Bowl. Thunder befindet sich aber in guter Gesellschaft. Auch Frankfurt Galaxy hatte vor der Saison eine Endspielteilnahme im eigenen Stadion angekündigt. Doch nur durch einen Sieg im letzten Heimspiel gegen die Berliner konnten sie sich wenigstens noch vom letzten Tabellenplatz lösen.

Für Thunder schloss sich damit ein Kreis. Gegen Galaxy wurde schon das Eröffnungsspiel verloren, und die Frankfurter sind zudem die Einzigen, gegen die die Berliner keine ausgeglichene Bilanz erzielen und sogar noch nie gewinnen konnten. Sonst sieht die sportliche Bilanz mit je einem Sieg und einer Niederlage gegen alle anderen vier Teams - also auch gegen die beiden World-Bowl-Teilnehmer - keineswegs so betrüblich aus, wie es trotz des verpassten Saisonziels zunächst scheint. Berlin Thunder konnte immerhin einen Sieg mehr verbuchen als im Vorjahr (3:7). Hält dieser Trend an, haben die Berliner im nächsten Jahr eine ausgeglichene Bilanz. Eine solche hätte in diesem Jahr Platz drei bedeutet, die letzten vier Teams sind mit 8:12 Zählern punktgleich.

Dass für Manager Lang weniger die sportlichen Ziele im Mittelpunkt standen, hatte auch einen Grund. Schließlich sollte er sich mit seinem Team auf die Bekannheitssteigerung in der Stadt, höhere Zuschauerzahlen und eine Umsetzung der von der NFLE vorgegeben wirtschaftlichen Planzahlen konzentrieren. Die nordamerikanische Profiliga NFL sieht die NFLE und speziell das Berliner Team zwar noch immer als Investition an, erwartet aber langfristig eine Rendite, wie es bei den beiden anderen deutschen Teams in Frankfurt und Düsseldorf längst der Fall ist.

Lang sieht seine Vorgaben für dieses Jahr erfüllt, wenigstens weiche das erwartete finanzielle Minus nicht vom Plan der NFLE ab. Und das Umfeld habe sich auch verbessert. Kein Sponsor sei abgesprungen, einige sogar hinzugekommen. Die Parties vor den Spielen hätten sich qualitativ verbessert, und auch sportlich sei das Team besser als im letzten Jahr, wenn auch nicht so erfolgreich wie erhofft.

Insgesamt sei Thunder in der Stadt jetzt wesentlich bekannter, auch unterstützt durch die vermehrte Fernsehpräsenz seines Teams, behauptet der General Manager. Darauf könne er im nächsten Jahr nun bauen, ohne wieder bei Null beginnen zu müssen. Dennoch sind die durchschnittlichen Zuschauerzahlen im Jahnstadion im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Dass die erwarteten fünfstelligen Zuschauerzahlen pro Heimspiel nicht erreicht wurden, erklärt Lang aber mit dem erneut schlechten Saisonstart und kaum wahrgenommenen Auswärtserfolgen, die einfach "verpufft" seien. "In Berlin brauchst du eben sehr viel Geduld, um die Leute zu überzeugen", erklärt Lang auch die zweite Saison noch zum Lernprozess. Strategische Fehler wie in der ersten Saison seien ihm diesmal aber nicht unterlaufen.

Die musste sich dafür Trainer Vaas nach einigen offensichtlichen Fehlentscheidungen in seiner ersten Saison als Cheftrainer in der NFLE ankreiden lassen. Er zeigte sich zum Saisonabschluss ungewohnt selbstkritisch und räumte sogar ein, im kommenden Jahr verstärkt auf seinen Trainerstab zu bauen. Er werde sich im nächsten Jahr mehr auf seine übergeordnete Rolle konzentrieren, wenn er sich auch weiterhin nicht aus dem aktiven Steuern im Training zurückziehen will.

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