Sport : Berlin übt uneingeschränkte Solidarität

Wie die Hauptstadt auf Leipzig als Sieger reagiert

Christoph Stollowsky

Von Christoph Stollowsky

Berlin. Nein. Keine Gehässigkeit, keine fiesen Gedanke. In der Berliner Senatskanzlei seien alle hocherfreut über den Sieg Leipzigs im Rennen um die Olympiabewerbung für 2012, sagt Michael Donnermeyer, der Sprecher des Berliner Regierenden Bürgermeisters. Und er hört sich dabei am Telefon sehr energisch an. „Für ganz Ostdeutschland einschließlich Berlin ist dieser Entschluss doch super“, sagt er noch und versichert, sein Chef denke genau so. Klaus Wowereit werde nun alles tun, „damit Leipzig sich auch weltweit durchsetzt“. Doch schadet Wowereit damit nicht den olympischen Interessen der Hauptstadt? Schließlich sind die Chancen Berlins, wenigstens 2016 oder 2020 Gastgeber für Olympia zu werden, endgültig dahin - sollte es Leipzig gelingen, auch das Internationale Olympische Kommitee (IOC) für sich zu gewinnen.

Vermutlich wäre in diesem Falle ganz Deutschland für lange Zeit aus dem Rennen um das größte Sportereignis der Welt, weil das IOC nicht immer die gleichen Nationen beglücken will. Aber das ficht die Führungsspitze der rot-roten Berliner Koalition offenbar nicht an. Man empfinde es auch nicht als Niederlage, „dass wir als Hauptstadt hinter dem kleineren Leipzig zurückstehen“, heißt es im Umkreis von Sportsenator Klaus Böger (SPD). „Es gab keine Hintergedanken, wir haben Leipzig die Daumen gedrückt.“ Und hochrangige Sportfunktionäre wie der Chef der Überprüfungskommission des Nationalen Olympischen Kommitees (NOK), Dieter Graf Landsberg-Velen, versichern gleichfalls: „Die künftigen Olympiachancen der Hauptstadt haben in den vergangenen Tagen überhaupt keine Rolle gespielt.“

Sportsenator Klaus Böger hatte noch bei den rot-roten Koalitionsverhandlungen im November 2002 gefordert, Berlin solle sich für die Olympischen Spiele 2012 bewerben. Aber er scheiterte am Widerstand der PDS. Außerdem wirkte das blamable Kapitel der 1993 missglückten Berliner Bewerbung für Olympia 2000 nach. Die Stimmung in der Stadt war gegen Böger, was den Senator noch immer ein wenig schmerzt - besonders, wenn er nun die Bilder der jubelnden Leipziger sieht. Über eine spätere Bewerbung Berlins, vielleicht für 2016, denkt man in seinem Hause höchstens verhalten nach. Zumal der Gedanke an die Spiele auch in der Berliner Senatskanzlei auf wenig Begeisterung stieße. „Wir könnten Olympia jetzt gar nicht verkraften - unsere Finanzprobleme sind viel zu groß“, heißt es dort.

Deshalb sei der Regierende Wowereit vor zwei Wochen „auch ganz unbefangen“ nach Leipzig gefahren, habe sich dessen Sportstätten angeschaut und sei danach mit Blick auf das NOK als Werber für die sächsische Hauptstadt vor die Presse getreten. „Mit einem positiven Hintergedanken“, sagt sein Sprecher Michael Donnermeyer. Denn Berlin erhoffe sich von Olympischen Spielen vor seinen Toren einen kräftigen Touristenschub. Im Übrigen werde Olympia in Sachsen auch ganz Ostdeutschland bereichern .

Das sieht der Geschäftsführer von „Partner für Berlin“, Friedrich Leopold von Stechow, ähnlich. „Unendliche viele Olympiabesucher“, sagt er, „würden von Leipzig nach Berlin kommen.“ Die Stadt müsse sich schon jetzt darauf vorbereiten. Und dann richtet von Stechow den Blick auf ein etwas näheres Ereignis. „Ich freue mich erst mal auf das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Berlin.“

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