Sport : Berliner Berufsoptimisten

Nach der erneuten Niederlage in der Europaliga flüchten sich Albas Basketballer in Durchhalteparolen

Helen Ruwald

Berlin. Basketballer müssen wohl Berufsoptimisten sein. Jedenfalls dann, wenn sie bei Alba Berlin spielen, ohne drei verletzte Leistungsträger (Demirel, Garris, Szewczyk) auskommen müssen und fünf von sechs Europaligaspielen verloren haben. Und wenn sie irgendwie noch weitere acht Partien durchstehen müssen, auch wenn ein Weiterkommen nicht sehr realistisch erscheint. „Das Spiel bei Olympiakos Piräus nächsten Donnerstag ann der Wendepunkt werden“, sagte John Best nach dem 70:86 (41:40) gegen Benetton Treviso. Die Griechen sind Tabellenletzter, Alba Vorletzter. Die besten fünf Teams jeder Gruppe und der stärkste Gruppensechste qualifizieren sich für die nächste Runde. Derzeit ist Tau Vitoria Fünfter, mit zwei Erfolgen mehr als Alba. Das klingt nicht uneinholbar – doch Berlins Präsentation in der zweiten Halbzeit gegen Treviso lässt die Frage offen, wie und gegen wen die Aufholjagd bewerkstelligt werden soll. Zumal sich am Mittwoch auch noch Marko Pesic eine Innenbanddehnung im Knie zuzog und rund zwei Wochen ausfällt.

„Ich bin Optimist“, sagte Jovo Stanojevic, nachdem er die Spielstatistik betrachtet hatte, die 19 Ballverluste für sein Team auswies. Doch dann schob der Centerspieler des Deutschen Meisters ernüchtert hinterher: „In der zweiten Halbzeit waren Verteidigung und Angriff richtig schlecht. So verlieren wir auch gegen einen Zweitligisten.“ Teoman Öztürk wurde deutlicher: „Es wird schwer weiterzukommen. Aber wir müssen weiterspielen.“ Frustrierend sei, dass „wir ja eine Halbzeit zeigen, dass wir mithalten können“ – aber eben nicht ein ganzes Spiel. Trevisos Zonenverteidigung nach der Pause war es, die Alba diesmal aus dem Konzept brachte.

Die Erkenntnis, die keineswegs überragenden Gegner eigentlich schlagen zu können, hatten die Berliner auch schon nach der Niederlage in Istanbul vor einer Woche. Hätte, könnte, wäre – der Konjunktiv reicht nicht, um zu gewinnen. Schon gar nicht, wenn man den eigenen Unzulänglichkeiten ratlos gegenübersteht. „Die Verletzten sind kein Alibi“, verlautbart brav jeder Spieler. Doch warum auch die Gesunden sich katastrophale Fehlpässe leisten und den Korb nicht treffen wie im dritten Viertel (zehn Punkte), weiß sich Alba nur bedingt zu erklären.

Die Konzentration habe gefehlt, sagte Trainer Emir Mutapcic. Schließlich mussten die meisten Spieler extrem lange auf dem Feld stehen. Pesic „hat weiter gespielt, weil er musste“, berichtete Mutapcic – es gab keine Alternative auf der Bank. Ohne Pesic und ohne Demirel (Rückenbeschwerden) tritt Alba am Samstag bei den Telekom Baskets Bonn an, dem Tabellenführer. Ein klarer Fall für die Berliner Berufsoptimisten.

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