Sport : Berliner Bruchpiloten

Nach gutem Beginn stürzt Hertha BSC in Leverkusen ab und verliert noch 1:4

Stefan Hermanns

Leverkusen. Es soll nicht viele Freundschaften geben in der Fußballbranche, aber die zwischen Dieter Hoeneß und Klaus Augenthaler muss eine besondere sein. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Tagen bei Bayern München, sie telefonieren oft miteinander, und Augenthaler, der heute Trainer von Bayer Leverkusen ist, hat sogar verraten, dass „ich eine Privatwette laufen habe, dass Hertha nicht absteigt“. Das hat Dieter Hoeneß, den Manager von Hertha BSC, vor dem Duell mit Kumpel Augenthaler gefreut. Zumal dessen Leverkusener gestern lange Zeit den Eindruck erweckten, als wollten sie ihren Trainer ja nicht um sein Geld bringen. Eine halbe Stunde führte Hertha den Gastgeber vor – und verlor dann Konzentration, Kontrolle und schließlich auch das Spiel. Leverkusen gewann am Ende 4:1 (2:1).

Von Wettbewerbsverzerrung war nach dem Abpfiff also doch keine Rede, vielmehr von der verpassten Chance, nach vier Jahren endlich einmal in Leverkusen zu siegen. „So gut wie heute haben wir hier noch nie gespielt“, sagte Herthas Manager Hoeneß. Und Trainer Hans Meyer meinte: „Wir waren dem zweiten oder dritten Tor doch viel näher als die Leverkusener dem Ausgleich.“

Die Berliner waren gut ins Spiel gekommen und nach sieben Minuten 1:0 durch ein Freistoßtor in Führung gegangen. Marcelinho hatte den Ball nicht wie gewohnt über die Mauer, sondern in die Ecke des Torwarts geschlenzt. Doch da war Leverkusens Keeper Jörg Butt schon auf dem falschen Weg, der Ball landete unberührt im Netz. Als wenig später Marcelinho knapp am Pfosten vorbeischoss und auch der junge Sofian Chahed scheiterte, pfiffen die Bayer-Fans immer lauter. Es schien, als habe Hertha einen Spieler mehr auf dem Feld.

Bei so geringem Arbeitsaufwand der Leverkusener muss Herthas Verteidiger Marko Rehmer schließlich eingenickt sein. Als Leverkusens Carsten Ramelow den Ball nach einer halben Stunde aus der eigenen Hälfte in die des Gegners schlug, flog der Ball einfach über Rehmer hinweg. Dimitar Berbatow bedankte sich und traf zum 1:1. „In der Situation darf man nicht auf Abseits spielen“, maulte Rehmer – und meinte sich selbst.

Nur vier Minuten später war es Rehmers Abwehrkollege Josip Simunic, der sich gedanklich vom Spiel verabschiedet hatte. Von seinem Oberschenkel prallte der Ball direkt vor die Füße des Leverkuseners Franca, der zum 2:1 traf. Kurz vor der Halbzeitpause sah Simunic die fünfte Gelbe Karte; er wird Hertha in einer Woche im Heimspiel gegen Hansa Rostock fehlen. Zwar schimpfte Herthas Torhüter Christian Fiedler immer lauter, doch keiner seiner Kollegen wachte auf. Nach 55 Minuten ließ Malik Fathi seinen Gegenspieler Clemens Fritz laufen, der passte in die Mitte, wieder kam Franca an den Ball, traf ihn nicht richtig, doch weil Fiedler mit einem harten Schuss gerechnet hatte und deswegen schon gesprungen war, kullerte der Ball zum 3:1 über die Torlinie.

Vom offensiven Kombinationsspiel Herthas war nichts mehr zu sehen. Nando Rafael hatte im Angriff gegenüber Fredi Bobic den Vorzug erhalten, „weil er wertvoller ist“. Das war die Begründung von Trainer Hans Meyer. In einer Woche wird Meyer erklären müssen, warum Bobic vielleicht doch wertvoll ist: Auch Rafael sah gestern die fünfte Gelbe Karte, ist gegen Rostock gesperrt. Und für den nun frei werdenden Platz durften sich schließlich Bobic und Artur Wichniarek empfehlen, die eingewechselt wurden. Doch die bemühte Offensive brachte nichts ein. Nach 72 Minuten konnte sich erneut Berbatow durchsetzen, erneut sah Simunic schlecht aus, und im Fallen traf der Bulgare zum 4:1. Klaus Augenthaler sah nicht aus, als hätte es sich gefreut. Es sieht schlecht aus für seine Wette. Hertha bleibt Vorletzter.

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