Berliner Derbys : Union - BFC 8:0

Heute im letzten Teil unserer Serie Berliner Derbys: Dirk Brändike steht im Tor, als der BFC Dynamo vor fünf Jahren 0:8 gegen Union verliert – anschließend ertränkt er seinen Frust.

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Karsten Linow, einst Meister der alten Anzeigetafel im Stadion von Union, posiert vor dem für viele Unioner schönsten Ergebnis aller Zeiten.
Karsten Linow, einst Meister der alten Anzeigetafel im Stadion von Union, posiert vor dem für viele Unioner schönsten Ergebnis...Foto: dpa

Als Dirk Brändike in die Straßenbahn steigt, hat er jegliches Gefühl verloren. Er ist weder traurig noch glücklich, alles, was er verspürt, ist eine ungeheure Leere. Wie soll er sich auch fühlen? Brändike ist Torwart, wenige Stunden zuvor hat er acht Gegentore bekommen. Und das nicht in irgendeinem Spiel: Brändike ist jener Torwart, der beim 0:8-Debakel des BFC Dynamo gegen Union Berlin vor fünf Jahren im Tor stand. Dass sein Name von nun an in die Geschichtsbücher des Berliner Fußballs gemeißelt ist, kann Brändike während seiner Heimfahrt noch nicht begreifen. Dabei hatte er schon geahnt, dass dieser Tag kein gutes Ende nehmen würde. „Im Vorfeld des Spiels ging es chaotisch zu“, sagt Brändike. „So etwas hatte ich bis dahin noch nie erlebt.“

Es ist der 21. August 2005, nur noch wenige Stunden bis zum NOFV-Oberliga-Derby zwischen dem 1. FC Union und dem BFC Dynamo. Doch anstatt sich auf das Spiel vorzubereiten, müssen sich Dynamos Spieler mit einer Frage beschäftigen: spielen oder nicht spielen? In der Nacht zuvor war es in einer bei BFC-Fans beliebten Diskothek zur Razzia gekommen. Fangruppen wollten die Mannschaft aus Protest gegen den Polizeieinsatz zu einer Spielabsage bewegen. Lange wurde diskutiert, am Ende hieß es: Wir spielen.

Brändike freut sich über die Entscheidung. Wenige Wochen zuvor war er vom Provinzverein Ludwigsfelde zum BFC gekommen – als Ersatzmann für Vereinslegende Nico Thomaschewski. Doch Thomaschewski ist verletzt, Brändike wittert seine Chance. „Als mir der Trainer sagte, dass ich spiele, war das ein unglaubliches Gefühl“, erzählt Brändike. Dieses Gefühl wird noch getoppt, als die Teams vor 14 080 Fans in der Alten Försterei einlaufen. „Gänsehaut pur“, sagt Brändike, der damals 22 Jahre alt war. Doch das Duell der alten DDR-Rivalen, die inzwischen bis in die vierte Liga abgestürzt sind, wird ein ungleiches. Angriff um Angriff rollt auf Brändickes Tor, bereits nach einer Viertelstunde muss er einen Schuss von Torsten Mattuschka aus dem Netz holen. Am Ende heißt es 8:0 für Union. Bis vor wenigen Wochen zeugte die Anzeigetafel in der Alten Försterei von diesem historischen Ergebnis.

Nach dem Spiel müssen sich Brändike und seine Mitspieler den wütenden BFC-Fans stellen. „Da ging es heftig zu“, erzählt er. Das Dirk Brändike am Abend doch gut einschlafen kann, verdankt er vor allem dem „vielen Bier, dass ich danach getrunken habe“.

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