Sport : Berliner Eisbären: Der dritte Trainer aus Köln

Claus Vetter

Als bei den Berliner Eisbären in der vergangenen Saison die Reise in untere Tabellenregionen ging, da sollte im Februar ein prominenter Trainer auf die Bremse treten: Kent Forsberg kam zu einem Zeitpunkt, als durchaus noch die Chance bestand, die Play-offs zu erreichen - und versagte. Unter dem ehemaligen schwedischen Nationaltrainer landeten die Eisbären schließlich auf dem vorletzten Platz der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und in Hohenschönhausen war man um die Erfahrung reicher, dass große Namen allein keinen Erfolg garantieren. Vor der heute beginnenden Saison sind die Eisbären andere Wege gegangen, der neue Mann hinter der Bande ist längst nicht so bekannt wie sein Vorgänger: Glen Williamson gibt heute beim Spiel gegen den Liga-Neuling Iserlohn Roosters (19.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) sein Debüt als Cheftrainer in der DEL. Der Lokalrivale Berlin Capitals tritt zur selben Stunde bei den Hannover Scorpions an, das Heim-Debüt folgt am Sonntag gegen die Moskitos Essen.

Glen Williamson kommt nicht mit beeindruckenden Meriten nach Berlin, seine Stationen als Chefcoach dürften auch Fachleuten eher wenig sagen. Drei Jahre arbeitete der Kanadier in Tokio beim Seibu Railway Ice Hockey Team, vor einem Jahr betreute er noch die Central Texas Stampede aus der Western Professional Hockey League (WPHL), einer eher unbedeutenden Liga in den USA. Zuletzt war Williamson Berater bei den Kölner Haien. Das sind bescheidene Referenzen, und doch waren die Eisbären froh, als sie im Mai die Verpflichtung Williamsons bekannt gaben. "Auch die Mannheimer Adler waren hinter Glen her", erzählte Geschäftsführer Martin Müller damals. "Wir mussten schnell zuschlagen."

Vonseiten der Adler hört sich dies indes ein wenig anders an. Williamson habe im Frühjahr offensichtlich alles unternommen, "um sich wichtig zu machen", sagt Mannheims Sprecher Dag Heydecker. "Wir waren nie an ihm interessiert. Wir verpflichten doch nicht den dritten Trainer aus Köln."

Die Eisbären registrieren die unterschwellig aufkommenden Diskussionen um Williamsons Qualitäten mit Argwohn. "Natürlich ist Glen nicht der große Name in der Branche, aber er ist ein Coach, der sich beweisen will", sagt Manager Peter John Lee. "Leute, die auf die Zukunft hinarbeiten, sind immer besser als die, die ihre größten Erfolge schon hinter sich haben." Und Marketing-Chef Billy Flynn hat schon gar keine Zweifel an den Fertigkeiten des neuen Trainers: "Der beste Trainer, der je in Berlin war - nach Andy Murray."

Das sind große Worte an die Adresse eines Mannes, der vor seinem ersten Auftritt als DEL-Coach eher bodenständige Vorgaben und Philosophien bemüht. "Erst einmal wollen wir die Play-offs erreichen, dann ist alles möglich", referiert Williamson. "Und um in die Play-offs zu kommen, muss auf dem Eis jeder Spieler Verantwortung übernehmen und später dafür geradestehen."

Vorbei sind die Zeiten, als im Sportforum noch ein Kent Forsberg öffentlich über das Spielverhalten in der neutralen Zone oder über sein "Trap-System" referierte. "Eishockey ist ein einfaches Spiel", sagt Williamsons Assistent Rich Gosselin, "es geht darum, wer zuerst am Puck ist."

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