Sport : Berliner Eishockey-Derby: Go east

Claus Vetter

Eiserne Bären-Fans und ängstliche Capitals - das war Stoff, dem sich selbst der Film und die internationale Presse nicht verschließen konnten. Ob nun im Kinofilm "Heimspiel" von Oscar-Preisträger Pepe Danquart oder noch Ende vergangenen Jahres die englische Tageszeitung "The Guardian": Eishockey-Derby im Sportforum Hohenschönhausen - das hieß stets 5000 Fans des EHC Eisbären gegen eine Handvoll Anhänger der Capitals. Doch beim letzten Derby dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Fans der Capitals haben ihre Angst vor dem Osten abgelegt und vor der heutigen Partie im Sportforum (Beginn 19.30 Uhr) schon über 600 Karten gekauft.

Angesichts dieser Unterstützung freut sich Chris Valentine natürlich. Schließlich sei die Situation vor dem Spiel nicht einfach, weiß der Trainer der Capitals. Die Eisbären - im Gegensatz zu Valentines Team jenseits aller Play-off-Chancen - würden natürlich versuchen, sich vor ihren Fans zu rehabilitieren. Vieles spricht allerdings dafür, dass es dazu nicht kommt. Bei den Capitals zeigt man sich betont gelassen. "Angst vor dem Derby? Wir werden schon alles dafür tun, dass bei uns nichts anbrennt", sagt Yvon Corriveau, der ehemalige Eisbären-Stürmer.

Selbstsichere Capitals - und was macht der Gegner? Beim EHC sehnt alles das Saisonende in vier Wochen herbei. Auflösungserscheinungen sind unübersehbar. Stürmer Todd Harkins hat den Klub vorige Woche verlassen. Nun darf sich der EV Zug (Schweiz) an dem US-Amerikaner erfreuen, der in Berlin allenfalls aufgrund miserabler persönlicher Statistik aufgefallen war. Alexander Godynyuk ist aus familiären Gründen in seine Wahlheimat USA geflogen - auf Nimmerwiedersehen. Bis Saisonende ist der Ukrainer krankgeschrieben, der Vertrag wird nicht verlängert. Uli Egen ist hingegen noch da. Sieht sich der Trainer angesichts der Auflösungserscheinungen als Missstandsverwalter? "Das kann man so sagen, die Lage ist nicht positiv", sagt Egen. Drei Verteidiger hat der Coach heute nur zur Verfügung (neben Godynyuk fehlen Mayer, Leask, Laperriere und Pyka). "Na gut, es ist das Derby", meint Egen, "da sollte es egal sein, ob man einen oder zehn Verletzte hat."

Die Fans der Capitals reisen nach Hohenschönhausen. Die Zeiten, als sich Verantwortliche beider Lager im Vorfeld des Derbys die Phrasen um die Ohren knallten, der frühere Eisbären-Manager Lorenz Funk die Capitals als "Kiezklub" abqualifizierte, und der ehemalige Capitals-Manager Roger Wittmann dafür einen "Zahltag" auf dem Eis androhte, sind passé. Es ist tatsächlich nichts mehr so, wie es mal war. Mit einer Ausnahme: Immerhin gab es gestern einen Klub-Offiziellen, der aus seiner Vorfreude auf das Derby keinen Hehl machte, wohl in einem Anfall von Nostalgie. "Morgen ist es endlich wieder so weit", meinte Lorenz Funk, inzwischen Sportdirektor beim "Kiezklub". "Mensch, ist das schön".

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