Sport : Berliner erkämpfen ein hervorragendes 1:1 in Mailand

Klaus Rocca

Der große AC Mailand kommt ins Trudeln, Bierhoff gleicht Daeis Führungstreffer ausKlaus Rocca

40 941 Zuschauer im gerade zur Hälfte gefüllten Guiseppe-Meazza-Stadion waren alles andere als begeistert von dem, was ihre Mannschaft da gegen den großen Außenseiter zusammenspielte. Nichts war es mit dem angekündigten Angriffswirbel. Einfallslos ging Milan zu Werke, allenfalls der Italiener Maldini und der Brasilianer Serginho deuteten an, was dieses Starensemble an guten Tagen zu leisten in der Lage ist.

Nun ist bekanntlich eine jede Mannschaft nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Hertha ließ gestern wenig zu. Das sah nicht immer besonders schön aus, wie die Berliner in der eigenen Hälfte die Räume eng machten und den Mailänder Spielfluss schon im Ansatz unterbrachen. Aber effektiv war es allemal, so effektiv, dass der große AC Mailand gehörig ins Trudeln kam. Mit traumwandlerischer Sicherheit liefen die Italiener von einer Abseitspoition in die nächste. Von den hochgelobten Stürmern war wenig zu sehen. Oliver Bierhoff stand deutlich im Schatten von Herzog, Leonardo sah gegen van Burik keinen Stich, und auch der junge Ukrainer Schewtschenko konnte sich kaum einmal gegen Andreas Schmidt durchsetzen.

Der alle überragende Berliner aber war Thomas Helmer. Der frühere Münchner machte sein mit Abstand bestes Spiel für Hertha, dirigierte mit Umsicht die Abwehr und hätte beinahe sogar ein Tor erzielt. Nach einem Freistoß von Wosz kam Helmer im Mailänder Strafraum zum Kopfball, den Milans Schlussmann Abbiato mit einiger Mühe parierte.

Es war dies fünf Minuten vor dem Pausenpfiff die einzige richtige Torchance für die defensiven Berliner, deren Stürmer Michael Preetz und Ali Daei über die gesamte Spielzeit wirkungslos blieben. Der AC Mailand aber hatte auch nicht viel mehr zu bieten. Es bedurfte schon eines überaus umstrittenen Freistoßes - van Burik soll Leonardo gefoult haben - um Aufregung vor dem Hertha-Tor zu verursachen. Mit viel Effet zirkelte Leonardo den Ball Richtung linkes oberes Tordreieck, wo ihm Kiraly mit katzengewandtem Sprung und letztem Einsatz den Einschlag verwehrte. Eine Glanztat des Berliner Torhüters, der zuvor nur bei einem Schuss von Schewtschenko geprüft worden war. Mit einer Fußabwehr verhinderte Kiraly Schlimmeres.

Natürlich wurde Milans Druck mit zunehmender Zeit immer stärker, aber dieser ging nicht einher mit einem Zuwachs an Einfallsreichtum. Es war mehr die zunehmende Passivität der Berliner, die das Übergewicht des hohen Favoriten immer stärker werden ließ.
© 1999

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