• Berliner Erklärung gegen Homophobie im Sport: Jogi Löw auf dem Christopher Street Day

Berliner Erklärung gegen Homophobie im Sport : Jogi Löw auf dem Christopher Street Day

Bundesminister und Fußballpräsidenten unterzeichneten am Mittwoch eine Erklärung gegen Homophobie im Sport. Aus dem Berliner Fußball unterschrieben Thorsten Manske, Vizepräsident von Hertha BSC und Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union.

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Vorbild: Louis van Gaal. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger schlägt der Nationalmannschaft einen Besuch beim Christopher Street Day vor.
Vorbild: Louis van Gaal. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger schlägt der Nationalmannschaft einen Besuch...Foto: dpa

Der historische Moment verbarg sich hinter einem silbergrauen Tuch. Als das Tuch weggezogen wurde, blitzte es immerhin ein paar Minuten heftig. Dann ging alles weiter wie bisher.

Die „Berliner Erklärung gegen Homophobie im Sport“, eine Tafel mit Leittext und den 15 Unterschriften der Erstunterzeichner, war mit großen Worten angekündigt worden: dass nämlich „erstmals in der Geschichte“ Spitzenfunktionäre des Fußballs eine gemeinsame Erklärung gegen Homophobie im Sport unterzeichnen. „In weiten Teilen des Sports sind homophobe Tendenzen nach wie vor stark ausgeprägt“, so die Erklärung, „homosexuelle Sportlerinnen und Sportler fühlen sich diskriminiert und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.“

Warum der Erklärung eine so große Bedeutung beigemessen wird, ist nachvollziehbar: Wenn erst einmal der Fußball als größte und von männlichen Stereotypen durchzogene Disziplin toleranter wird, dann wird es der ganze Sport und die Gesellschaft gleich mit. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger findet jedenfalls, dass zur modernen Spielweise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eine offene Haltung gegenüber allen sexuellen Orientierungen passe. Es müssten nicht gleich alle Fußballer beim Christopher Street Day mitmachen, sagte Leutheusser-Schnarrenberger, aber dass der niederländische Nationaltrainer Louis van Gaal an der Amsterdamer Schwulenparade „Gay Pride“ teilnehme, sei doch eine „sehr schöne Geste“.

Die Bundesjustizministerin gehört wie ihre Kabinettskollegen Hans-Peter Friedrich aus dem Innen- und Kristina Schröder aus dem Familienministerium zu den Erstunterzeichnern. Ebenso Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußall-Bundes, und Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern. Aus dem Berliner Fußball unterschrieben haben Thorsten Manske, Vizepräsident von Hertha BSC und Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union.

Die Berliner Erklärung soll auch Forschung und Aufklärung befördern, koordiniert von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Aber der alles entscheidende Fall ist bisher noch Theorie: das Coming-out eines homosexuellen Fußballprofis. Dafür soll die Berliner Erklärung eine Ermunterung sein, ein Signal, dass ein Profi dann nicht allein gelassen werde.

Der Kampf gegen die Diskriminierung sei auf jeden Fall ein „megadickes Brett“, sagte Jörg Litwinschuh, der Geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Die Akzeptanz von Vielfalt sei in der Gesellschaft eben noch keine Alltagserfahrung. Und dass Sportler ihre Homosexualität verheimlichen, zerstöre enorme Kräfte. „Das führt zur Leistungsminderung bis hin zu Karriereabbrüchen“, sagte Litwinschuh.

In der Veranstaltung schwang auch der Wunsch mit, dass die Zeichen gegen Homophobie im Fußball so deutlich ausfallen wie inzwischen manche Zeichen gegen Rassismus – so wie es Kevin-Prince Boateng und seine Kollegen vom AC Mailand nach rassistischen Ausfällen von Fans auch getan hatten. Für Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, hat der Kampf gegen Homophobie eine ganz praktische sportliche Ebene: „Wer in einem Klima der Offenheit und Toleranz leben kann, bringt bessere Leistungen.“

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