Berliner Fanmeile : Schule aus für Fußballfans

Die Nationalspieler werden am Montag um 14.30 Uhr auf die Berliner Fanmeile kommen. Damit Berlins Schüler dabei sein können, bittet Bildungssenator Zöllner die Rektoren um Flexibilität.

Holger Wild
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WM 2006: Die "Weltmeister der Herzen" am Brandenburger Tor.Foto: ddp

Die deutsche Fußballnationalmannschaft will am Montag mit ihren Fans in Berlin feiern – und Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Schüler mitjubeln können. In einem Brief an die Schulleiter schrieb Zöllner am Freitag: „Ich bitte Sie, Regelungen zu treffen, die es Schülerinnen und Schülern auf deren Wunsch ermöglichen, am Empfang der Nationalelf teilzunehmen.“

Das Team um Bundestrainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Michael Ballack will am Montag um 14 Uhr 30 auf der Fanmeile auf der Straße des 17. Juni vor seine Anhänger treten – unabhängig davon, wie das Finale der Europameisterschaft am Sonntagabend gegen Spanien ausgeht. Vor zwei Jahren hatten an einem Sonntag bis zu einer Million Menschen die Mannschaft nach dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land auf der Fanmeile gefeiert. Ähnlich viele werden auch am Montag erwartet. „Die ganze Stadt freut sich auf die deutsche Mannschaft“, erklärte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Damit möglichst viele Kinder und Jugendliche dabei sein könnten, hätten Schulen zum Beispiel die Möglichkeit, Unterrichtsstunden auf Nachholtermine zu verschieben, erklärte der Sprecher der Schulverwaltung, Kenneth Frisse. Die Bitte des Senators gehe auf zahlreiche Anfragen von Schulen aus den letzten Tagen zurück, ob nicht der Unterricht in Berlin am Montag später beginnen könnte. Das EM-Finale in Wien wird am Sonntag um 20 Uhr 45 angepfiffen. Bei Verlängerung und Elfmeterschießen könnte es bis nach halb zwölf dauern, bevor der Europameister feststeht. Einen späteren Unterrichtsbeginn lehnt Zöllner jedoch ab. „Wichtige Fußballspiele oder andere große Sportereignisse gibt es regelmäßig. Da geht die Bildung vor“, sagte Frisse. „Aber wer weiß, wie oft wir einen EM-Sieger oder EM-Zweiten in Berlin begrüßen können.“ Die Schulleiter sollten dieses „singuläre Ereignis“ auch „singulär behandeln.“ Das sächsische Kultusministerium hat dagegen entschieden, dass die Schulen am Montag zwei Stunden später beginnen können, sofern der Stoff nachgeholt werde.

Arbeitnehmer dagegen werden sich mit ihrem Chef einigen müssen, wenn sie auf die Fanmeile wollen. Am Sonntag haben Daimler, VW und andere Konzerne Schichten verlegt oder verkürzt, damit ihre Beschäftigten das Finale sehen können.

Die deutsche Elf versteht den Auftritt in Berlin als Dank an die Fans, „die immer zu uns gestanden und uns toll unterstützt haben“, wie Teammanager Oliver Bierhoff erklärte. Er warb bei Arbeitgebern und Schulleitern um Verständnis. Er hoffe auf eine „letzte Kraftanstrengung“, damit trotz des Werktags eine große Kulisse das Team verabschiedet. Verteidiger Christoph Metzelder sagte: „Dieser Tag 2006 war für uns alle unvergessen. Und wir haben registriert, was während der EM auf den Straßen in Deutschland los war.“ Mittelfeldspieler Torsten Frings stellte ein besonderes Mitbringsel in Aussicht: „Diesmal wollen wir den Fans mehr zeigen als T-Shirts mit einem ,Danke‘ darauf. Diesmal wollen wir etwas in die Luft strecken“ – den Pokal nämlich.

Verlängert wird die Fanmeile für die Feier nicht. Allerdings soll eine vierte Videowand – wie schon am Sonntagabend – ihre Kapazität erhöhen. Beim Halbfinale gegen die Türkei musste das Areal mehr als eine Stunde vor Spielbeginn wegen Überfüllung geschlossen werden.

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