Sport : Berliner Frauenlauf: Eine neue Bewegung

Jörg Wenig

Vor zehn Jahren zählte der Berliner Frauenlauf des SCC nicht einmal 1000 Teilnehmerinnen. Morgen, bei der 18. Auflage, werden es bis zu 6000 sein, die ab 16 Uhr durch den Tiergarten rennen. "Hier entsteht ein neue Bewegung", sagt Organisationschef Horst Milde und erklärt: "Viele Frauen fühlen sich bei einem Frauenlauf wohler als bei gemischten Rennen - das ist ein anderes Ambiente."Das Interesse an der Veranstaltung wird von Jahr zu Jahr größer - und auch international erfahrene und erfolgreiche Athletinnen laufen gerne einmal unter sich. "Das ist genau der richtige Rahmen für mein Comeback", sagt Claudia Dreher vom TV Friesen Naumburg). Die 30-jährige hatte krankheitsbedingt auf den Olympiamarathon von Sydney sowie den Hamburg-Marathon vor einem Monat verzichten müssen. Morgen startet Dreher, die 1999 bei der WM Platz neun im Marathon belegte, zum ersten Mal in diesem Jahr - und zum ersten Mal bei einem Frauenlauf. "Ich freue mich auf diesen Lauf, gerade weil es ein Frauenrennen ist. Es ist gut, dass das Fitnessbewusstsein von Frauen auch in Deutschland immer stärker wird", sagt Dreher.

Eine ihrer morgigen Konkurrentinnen im 10-km-Rennen nutzte vor einem Jahr ebenfalls den Frauenlauf zum Comeback: Kathrin Weßel. Die Läuferin vom SCC gewann im Tiergarten ihren ersten Lauf nach einer Babypause. Inzwischen hat sich die 33-Jährige, die 1987 bei der WM in Rom Bronze über 10 000 m gewonnen hatte, wieder in die deutsche Spitze vorgearbeitet. Beim Hamburg-Marathon wurde sie Dritte und blieb mit 2:29:43 zum ersten Mal unter 2:30 Stunden. Der Berlin-Marathon ist Weßels nächstes Ziel. Sie möchte sich für die EM 2002 in München qualifizieren.

Eineinhalb Jahre ist Nele Weßel inzwischen. Die Betreuung haben die Eltern auch ohne Hilfe der Großeltern organisiert. "Ins Trainingslager fahre ich alleine", sagt Kathrin Weßel. Dann passt ihr Mann und Trainer André auf Nele auf. Ein gutes Beispiel für den Frauenlauf: Familie und Laufsport schließen sich nicht aus. Das vermitteln die Veranstalter - mit zunehmendem Erfolg.

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