Sport : Berliner Fußball-Derby: Go west

Claus Vetter

Rund drei Jahre ist es her, da machten die Anhänger des 1. FC Union beim Regionalliga-Derby schon vor den Toren des Mommsenstadions Halt. Statt dem ungeliebten Lokalrivalen Tennis Borussia das Eintrittsgeld in den Rachen zu werfen, wurde draußen für Unions Überleben gespendet. Denn während bei TeBe eifrig von künftigen Europapokalauftritten in Mailand und Madrid geträumt wurde, havarierte Union damals in Richtung Finanzkollaps.

Alles Vergangenheit. Seit dem Einstieg des Münchner Unternehmers Michael Kölmel ist Union ein solide geführter Verein. Und TeBe ist nach einem zweijährigen Intermezzo in der Zweiten Fußball-Bundesliga nicht nur finanziell, sondern auch sportlich auf Tauchstation. Nach dem Derby (heute, 19.30 Uhr, Mommsenstadion) könnten die Borussen der Viertklassigkeit wieder ein Stück näher sein. Zumal diesmal in Charlottenburg niemand hoffen sollte, dass die Anhänger aus Köpenick draußen bleiben: 3000 Fans von Union werden heute im Mommsenstadion erwartet.

Ein Heimspiel also für Union. Und da wird es Heiner Bertram ganz warm ums Herz. "Das sind Vorstellungen, die man vor drei Jahren nicht haben konnte", sagt Unions Präsident. "Aber die Zeit ist schnell vergangen, und man sieht, dass wir alles richtig gemacht haben, TeBe dagegen alles falsch." Kein Mitleid mit dem gebeutelten Rivalen vor dem voraussichtlich letzten Derby für lange Zeit? "Nein, Mitleid habe ich nicht. Allein für Berlins Fußballlandschaft ist es bedauerlich, dass nach Hertha und Union momentan nicht viel kommt."

Freilich, der Abstand zu Hertha BSC ist für Union erheblich, noch immer. Derzeit bereitet man in Köpenick den Antrag zum Lizenzverfahren für die nächste Saison vor - in doppelter Ausfertigung. Ob nun Zweite Liga oder Regionalliga - die Auflagen seien ähnlich, sagt Geschäftsführer Bernd Hofmann. Bis zum 1. März muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Post vom 1. FC Union erhalten haben. "Kein Problem", sagt Hofmann, "Anfang nächster Woche sind wir mit dem Basteln der Unterlagen durch."

"Durch" sind schon jetzt einige Union-Fans mit Georgi Wassilew. Die Kritik am Trainer hat nach ausbleibendem Erfolg in der Liga - seit fünf Spielen ist Union jetzt ohne Sieg - zugenommen. Bertram irritiert das nicht. "Das ist eine Minderheit, die über das Internet Politik macht. Die Masse sieht das anders, das Präsidium steht vorbehaltlos hinter dem Trainer." Zumal Wassilew von seiner Art her inzwischen "viel beweglicher" geworden sei, die Mannschaft zuletzt offensiver agiert habe als etwa in der Vorsaison. "Dass er jetzt auch ein paar Auswärtsspiele gewinnen muss, das weiß er." Und Bertram redet Klartext: "Wir werden uns von Wassilew nicht vorzeitig trennen." Da mögen sich die Zeiten ändern, wie sie wollen, langweilig wird es beim 1. FC Union wohl nie.

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