Sport : Berliner Halbmarathon: Die Arbeitslosigkeit als Erfolgsgarant

Jörg Wenig

Dass Fabián Roncero sein Potenzial ausschöpfen konnte, war ein Zufall.Der spanische Weltklasseläufer, der heute als Favorit beim 21. Berliner Halbmarathon (10 Uhr, Karl-Marx-Allee) startet, verlor als 24-Jähriger seinen Job in einem Unternehmen für Filmentwicklungen. "Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich morgens vor und nachmittags nach der Arbeit trainiert. Das war nicht einfach, denn ich war ziemlich müde", erzählt der inzwischen 30-jährige Spanier aus Madrid. So hatte die Arbeitslosigkeit etwas Gutes für Fabián Roncero. Er hatte mehr Zeit zum Training, und schon drei Monate später war er Spanischer Meister im Halbmarathon. "Dann bot mir die Firma wieder eine Stelle an, aber ich lehnte ab."

Stattdessen konzentrierte sich Fabián Roncero vollkommen auf das Laufen. Den Sprung in die Weltelite der Langstreckenläufer schaffte er 1998, als er den Rotterdam-Marathon in 2:07:26 Stunden gewann. Damals hatte er trotz des Sieges Pech, denn wenige Kilometer vor dem Ziel lag er noch auf Kurs für eine Weltbestzeit. Doch Krämpfe stoppten den Spanier und zwangen ihn sogar zu Gehpausen. So tickten die Sekunden an der damaligen Marathon-Bestmarke von 2:06:50 Stunden vorbei. Ein Jahr später wurde er Zweiter in Rotterdam und verbesserte dabei seinen heute noch gültigen spanischen Rekord um drei Sekunden.

Die Weltmeisterschaften von Sevilla 1999 sollten ein Höhepunkt in seiner Karriere werden. Doch während dieses Marathons stellte sich ein Rückenproblem ein, das Fabián Roncero bei brütender Hitze mit Temperaturen von über 40 Grad zur Aufgabe zwang. Erst ein Jahr später konnte er wieder bei einem Rennen über die klassische Distanz an den Start gehen. Aufgrund der starken nationalen Konkurrenz war Roncero nicht für den olympischen Marathon nominiert worden. "Das war ein Schock für mich, als ich das erfuhr." In Berlin wollte er deswegen zeigen, dass sein Verband mit dieser Entscheidung einen Fehler gemacht hatte. Doch der Spanier kam wieder nicht ins Ziel. Aussichtsreich im Rennen liegend, stoppten ihn Muskelprobleme kurz vor Kilometer 30.

Der Ausstieg beim Berlin-Marathon ist ein Grund für Fabián Roncero, nun am Sonntag beim Berliner Halbmarathon zu starten. Denn der Spanier möchte in Berlin etwas gutmachen.

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