Sport : Berliner Haushaltskrise: Sport trainiert Sparsamkeit

Robert Ide

Wenns ums Sparen geht, dann gibt es oft nur verhaltenen Applaus. Sparen wollen alle, nur nicht bei sich selbst. In Berlin ist das Geld derzeit ein heißes Thema, angesichts der Banken- und Koalitionskrise gibt es eigentlich kein anderes. Heute wird der Übergangssenat des designierten Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) gewählt. Er will den Haushalt konsolidieren. Der Sport wird dabei nicht außen vor bleiben können. Beim Landessportbund (LSB) beginnt bereits das Zittern. "Wir waren schon im vorigen Jahr an der Schmerzgrenze", klagt Präsident Peter Hanisch. Doch auch er weiß, dass es jetzt "wohl ans Eingemachte geht".

Da wären etwa die Mittel aus der Deutschen Klassenlotterie. Seit 1959 fließt ein Viertel der Einnahmen an den LSB und in den Haushalt des Sportsenators. Die CDU-Fraktion hat nun angesichts des Spardrucks vorgeschlagen, die Lottoüberschüsse zur Sanierung des Landeshaushalts heranzuziehen. Hanisch wehrt sich dagegen: "Wer die Mittel umschichten will, der zerstört die erfolgreichen Sportstrukturen." Die Folgen wären in der Tat einschneidend: Prämien für Übungsleiter würden gestrichen, Zuschüsse für Fahrten zu Auswärtsspielen und für Bauinvestitionen gekappt. Viele Vereine müssten sich aus ihren Ligen verabschieden.

Geht dann der Berliner Sport unter? Nicht wenige Berliner Sportpolitiker sagen: nein. Auch der Bund der Steuerzahler sieht Einsparmöglichkeiten. Die Deutschlandhalle als provisorische Eishalle dürfte nur eine Übergangslösung bleiben, auch über die Situation der Schwimmbäder wird neu diskutiert. Bereits jetzt ist von Konzepten die Rede, nach denen sechs Freibäder und zehn Hallenbäder geschlossen werden. Kein Wunder, wird doch die teure Schwimmhalle am Europapark - einstmals für die Olympia-Bewerbung Berlins im Jahre 2000 gebaut - nicht ausreichend genutzt. Geld könnte gespart werden, wenn etwa die Schwimmhalle im Sportforum geschlossen wird und die dortigen Leistungsschwimmer in die Becken am Europapark springen.

Am Dienstag will sich der Landessportbund mit Sportsenator Klaus Böger (SPD) zu einem klärenden Gespräch treffen. Doch selbst, wenn Böger Senator bleiben sollte, dürfte er angesichts der ungewissen politischen Lage nur ein paar Appelle im Gepäck haben. Und die werden sich vorrangig ums Sparen drehen.

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