Sport : Berliner HC: Fahrrad statt Titel

Martin Scholz

Die Tränen flossen fast unaufhörlich bei Lea Loitsch. Drei Jahre hintereinander war die 17-Jährige Deutsche Meisterin geworden - mit der Hockey-Jugend des Berliner HC. In ihrem ersten Finale mit dem Frauenteam musste sie sich dagegen geschlagen geben. Mit 1:3 im Siebenmeterschießen verlor der BHC gegen den Rüsselsheimer RK das Finale um die deutsche Feldhockeymeisterschaft in Hamburg. Nach regulärer Spielzeit und der Verlängerung hatte es 2:2 (2:1) gestanden.

Die erste sehenswerte Kombination über Badri Latif und Katrin Kauschke führt zur Führung durch Natascha Keller. Doch Mitte der ersten Hälfte drehte Rüsselsheim das Spiel mit zwei Toren binnen drei Minuten. Fortan lief die Partie nur noch in eine Richtung. Der BHC kam gegen eine massive Abwehr aber kaum zu Chancen. Rüsselsheim schlug die Bälle nur noch planlos nach vorne. Als die Begegnung fast schon verloren schien, verwandelte Natascha Keller die letzte Ecke zum 2:2., doch es reichte nicht zum Sieg.

"Von den Spielanteilen her hätten wir den Sieg schon verdient gehabt", kommentierte BHC-Trainer Friedel Stupp mit süffisantem Unterton die destruktive Vorstellung des neuen Meisters aus Hessen, der einen Titel-Hattrick des BHC verhinderte. "Wir hätten es in der Verlängerung schaffen müssen. Rüsselsheim hat die besseren Siebenmeterschützinnen." Dies musste der BHC schon erfahren, als er im Frühjahr das Europapokalfinale auf gleiche Weise gegen den RRK verlor.

Der Berliner Coach tröstete sich mit der erstaunlichen Entwicklung, die seine junge Mannschaft in dieser Saison nahm. "Ich bin einfach nur glücklich, so eine Mannschaft zu haben. Sie hat eine sehr starke Endrunde gespielt." Natascha Keller erhielt als beste Turnierspielerin ein Fahrrad. Auch über Lea Loitsch Gesicht huschte kurz ein Lächeln, als Junioren-Bundestrainer Knuf sie als beste Nachwuchsspielerin ehrte. Bundestrainer Peter Lemmen attestierte der Berlinerin eine "für ihr Alter überragende Leistung".

"Der Meistertitel wäre mir lieber gewesen", meinte Lea Loitsch, räumte aber ein, dass die Auszeichnung "eine Ehre" sei. Die Berlinerinnen wurden zwar nicht Meister, ernteten aber für ihr unbekümmert-stürmisches Auftreten Lob von allen Seiten. "Und den Titel holen dann eben nächstes Jahr", sagte Lea Loitsch trotzig. Oder schon in zwei Wochen, wenn sie mit der A-Jugend wieder nach dem Titel greift.

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