Sport : Berliner HC: Warum die Hockeyspieler keine großen Fortschritte machen

Martin Scholz

Alles hatte so schön geklappt: Bundesliga-Aufstieg im ersten Jahr, Klassenerhalt im darauf folgenden. Dem einst formulierten Anspruch, im dritten Jahr um den deutschen Meistertitel mitzuspielen, können die Hockeyspieler des Berliner HC in dieser Saison allerdings noch nicht gerecht werden. Der neue Trainer Thomas Böttcher, der die Mannschaft im Frühjahr von Carsten Keller übernahm, hat eine andere Zeitrechnung: "Das zweite Bundesliga-Jahr ist schwerer als das erste, weil sich die Gegner auf uns eingestellt haben."

Die jungen, hochtalentierten BHC-Spieler hatten die Meistertitel in der Jugend gleich serienweise gewonnen. "Vom spielerischen Potenzial her könnten wir auch in der Bundesliga Erster werden", glaubt Nationalspieler Tibor Weißenborn. Doch es mangelt in den Bereichen Disziplin, taktisches Verhalten und Cleverness. "Wir machen gegen jede Mannschaft das Spiel und leisten uns dabei auf Grund der Unerfahrenheit einfache Ballverluste in der Vorwärtsbewegung", sagt der Trainer. Das Resultat: Der BHC kassierte unzählige Kontertreffer und die meisten Gegentore überhaupt. "Ich hätte mir die Aufgabe beim BHC einfacher vorgestellt", räumt Böttcher ein. "Aber die Spieler müssen erst davon überzeugt werden, dass individuelle Klasse in der Bundesliga nicht mehr ausreicht. Das ist ein Lernprozess."

Häufig übertreiben die ballgewandten Akteure das Alleinspiel. Thomas Böttcher will stattdessen das Zusammenspiel stärken und das Spiel auf mehrere Schultern verteilen: "Noch sind wir relativ leicht ausrechenbar." Zu viel hängt von Torjäger Florian Keller ab. Wie am letzten Wochenende, als Keller sieben von neun BHC-Toren erzielte. Immerhin gelang beim Tabellenletzten Frankfurt 1880 der erste Auswärtssieg der Saison. "Da hat die Mannschaft begriffen, dass sie über den Kampf ins Spiel finden muss", sagt Böttcher. Gleiches gilt am Sonnabend, wenn der BHC auf die defensiv ausgerichtete Mannschaft von Rot-Weiß München trifft. Tags darauf gegen den zweitplatzierten Münchner SC erwartet der Coach einen offensiveren Kontrahenten. Ein Sieg muss mindestens gelingen. Nicht, um Deutscher Meister zu werden, aber um wie erhofft den derzeit zwei Punkte entfernten Play-off-Platz zu erreichen.

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