Berliner Klubs im Test : Alba: "Wir spüren die Krise nicht"

Mehr Fans, mehr Geld, mehr Erfolg: Alba Berlin steht vor einem der größten Tage seiner Geschichte.

Helen Ruwald
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Folge 2:

ALBA BERLIN

Die Berliner Profiklubs stehen im neuen Jahr vor schwierigen Aufgaben, auch sie sind mit der Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Der Tagesspiegel untersucht aus diesem Anlass in einer Serie, wie die Berliner Klubs für das Jahr 2009 aufgestellt sind. Heute: Alba Berlin.

Was hat sich verändert? Mit dem Umzug von der Max-Schmeling-Halle in die Arena am Ostbahnhof hat der deutsche Basketballmeister seine Ambitionen verdeutlicht. Mittelfristig möchte Alba in Europas Spitze vorstoßen. „Wir wollen jedes Jahr ein ernsthafter Anwärter für die Top 16 sein. Die Entscheidung für die neue Halle war alternativlos für dieses Ziel“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Der Zuschauerschnitt wurde um rund 4000 auf 11 000 gesteigert. Kein Europaligist zieht mehr Zuschauer an. Zehn von elf Spielen konnten die Gastgeber in der neuen Heimat gewinnen. „Das Team hat dort einen besonderen Spirit entwickelt und sagt sich: Das ist unsere Burg“, erklärt Baldi. Erstmals seit vier Jahren tritt Alba wieder in der Europaliga an. Dafür ist der Kader verstärkt worden: Steffen Hamann, der Spielmacher des deutschen Nationalteams, wurde ebenso geholt wie die NBA-erfahrenen Profis Casey Jacobsen und Ansu Sesay.

Was muss personell passieren? Center Patrick Femerling, einst Europaligasieger mit dem FC Barcelona, fällt nach einer Knieoperation rund zwei Monate aus. Doch auch ohne ihn feierte Alba vergangene Woche den Überraschungssieg in Badalona. Adam Chubb und Aleksandar Nadjfeji vertreten ihn gut. Selbst den wochenlangen Ausfall von Antreiber Julius Jenkins, dem wertvollsten Spieler der vergangenen Bundesliga-Saison, hat Alba weggesteckt. Im Falle des Einzugs in die Europaliga-Zwischenrunde wäre eine Verstärkung laut Baldi hilfreich – aber kein Muss. Ein guter, bezahlbarer Center sei mitten in der Saison schwer zu finden. Für die neue Saison sind erst einige Personalien geklärt: Julius Jenkins hat einen Vertrag bis 2011, Trainer Luka Pavicevic bis 2010. Allerdings laufen die Verträge der Leistungsträger Nadjfeji, Jacobsen, Immanuel McElroy, Ansu Sesay und Rashad Wright aus.

Wie stellt sich der Verein wirtschaftlich auf? „Bisher spüren wir die Finanzkrise nicht“, sagt Baldi. Alba sei nicht abhängig von einem Großsponsor, „wir stehen auf breiten Beinen“. Keiner der Sponsoren habe Zahlungsschwierigkeiten oder erwäge seinen Rückzug. Alba hat immer wieder angekündigt, den Saisonetat von derzeit geschätzten 7,5 Millionen Euro bis 2010 auf zehn Millionen zu erhöhen. Daran hält Baldi fest. „Wir sind in den letzten drei Jahren gewachsen, es gibt keinen Grund, von unserem Ziel abzuweichen.“ Es sei allerdings schwieriger geworden, es zu erreichen: „Wir leben vom Markt. Und niemand weiß, ob sich unser Wachstum halten lässt.“



Was sind die Höhepunkte in diesem Jahr?
Morgen ist einer der wichtigsten Tage der Vereinsgeschichte: Ein Sieg gegen Olimpija Ljubljana (20.15 Uhr in der neuen Arena) macht den Einzug in die Zwischenrunde der Europaliga perfekt. Unterliegt der direkte Konkurrent Badalona in Vitoria, darf Alba sogar verlieren. Es wäre ein Erfolg, der früher käme als gedacht. Zuletzt stand der Klub im Jahr 2000 im Play-off-Achtelfinale der Europaliga. Anschließend scheiterte er regelmäßig in der Gruppenphase des zweitklassigen Uleb-Cups. Im deutschen Pokal trifft Alba im Viertelfinale auf Paderborn. „Über allem steht die Verteidigung des Meistertitels“, sagt Baldi. Derzeit ist Alba Vierter, hat aber ein Spiel weniger bestritten als der Erste Oldenburg.

Wo will der Klub am Jahresende stehen? „Da, wo wir heute stehen“, sagt Baldi. Also in der Spitzengruppe der Bundesliga, mit Chancen in Pokal und Europaliga. „Wenn wir 10 000 Zuschauer im Schnitt haben, wäre ich zufrieden.“ Derzeit sind es tausend mehr, aber noch wissen die Berliner nicht, wer diese neuen Fans sind: Kommen sie nur einmal oder häufiger, sind es Eventfans oder werden sie Alba die Treue halten?


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