Sport : Berliner Schule

Beim Play-off-Erfolg in Frankfurt zeigen Albas Basketballer, dass sie aus vielen Rückschlägen gelernt haben

Benedikt Voigt[Frankfurt am Main]

Irgendwann in der zweiten Halbzeit kreuzte Stefano Garris beide Unterarme zu einem X. Im Basketball heißt dieses Zeichen: Wechseln. Allerdings kommt es nur selten vor, dass ein Profi sich selber vom Spielfeld nehmen will. Normalerweise streben die Spieler danach, so oft und so lange wie möglich auf dem Parkettboden zu stehen. Nicht so Stefano Garris in der Frankfurter Ballsporthalle. „Er hat das Zeichen gegeben, dass er nicht mehr kann“, erklärt Albas Vizepräsident Marco Baldi. „Wenn das passiert, ist alles richtig.“

Bis zur Erschöpfung haben die zehn eingesetzten Spieler von Alba Berlin am Donnerstagabend gekämpft und sich selber mit einem 94:85-Erfolg für alle Anstrengungen belohnt. „Wir sind heute an die Grenze gegangen“, sagt Baldi. In der Halbfinalserie um die deutsche Meisterschaft, die nach dem Modus „Best of five“ gespielt wird, steht es nun 1:1. Den Berlinern fehlen gegen den amtierenden Meister zwei weitere Siege, um ins Finale einzuziehen. Nach dem Erfolg vom Donnerstag scheint dies wieder sehr gut möglich, im Gegensatz zum ersten Spiel (64:80) hat Alba eine neue Mentalität gezeigt. Wirkte das Team vier Tage zuvor ängstlich vor einer Niederlage, war es nun gierig auf einen Sieg. Das offenbarte sich vor allem in der Verteidigung. „Wir haben gezeigt, dass wir uns weiterentwickeln können“, sagte Teammanager Henning Harnisch.

Den Einstellungswechsel hat Trainer Henrik Rödl mit einem Hinweis auf die jüngere Vereinsgeschichte bewirkt. „Wir hatten in dieser Saison schon so viele Rückschläge, doch die Mannschaft hat gezeigt, dass sie immer in der Lage ist zurückzukommen.“ Krankheitsserie, Trainerentlassung, Dopingfall, all das beinhaltete offenbar einen pädagogischen Wert für Alba Berlin. Es lehrte die Spieler, besser mit deprimierenden Ereignissen umzugehen. „Wir sind auf alle Arten von Rückschlägen vorbereitet“, sagt Rödl, „jetzt kann nicht mehr viel Neues kommen.“ Das habe er den Spielern vor dem zweiten Spiel gesagt.

Den neuen Mut aus alten Rückschlägen setzte Matej Mamic in die Tat um. Mit 25 Punkten und acht Rebounds sowie einer überragenden Verteidigung gegen Frankfurts Topscorer Chris Williams, der 22 Punkte erzielte, ragte der Kroate aus einer geschlossenen Berliner Mannschaft heraus. Nachdem Trainer Henrik Rödl im ersten Spiel womöglich zu viel gewechselt hatte, ließ er nun sieben Spieler 16 Minuten und länger spielen, Mamic stand sogar 38 Minuten lang auf dem Feld. Die Folge: Sechs Berliner Spieler punkteten zweistellig.

In der Offensive trafen die Berliner 13 Dreipunktewürfe, im ersten Spiel waren es vier gewesen. Frankfurt hingegen verfehlte ab dem ersten Viertel den Korb immer öfter. Offenbar ist Basketball trotz aller Spielsysteme und Videoanalysen ein einfaches Spiel. „Da muss auch mal was reingehen“, sagt Baldi.

Geht es nach Alba, soll sich der Schwung im dritten Spiel am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle (17.15 Uhr, live auf Premiere) fortsetzen. Die Berliner wollen den zurückeroberten Heimvorteil behalten und mit einem 2:1 in das vierte Spiel am Dienstag in Frankfurt gehen. „Wir sind der Herausforderer“, mahnt Baldi. „Wir wollen etwas gewinnen, nicht etwas verteidigen.“ Die Spieler sollen weiter nach Siegen gieren.

In Frankfurt allerdings waren nicht allzu viele Menschen gierig auf einen Erfolg über Alba. Nur 3520 Zuschauer versammelten sich in der Ballsporthalle, eine enttäuschende Zahl für eine Halbfinalserie in der Bundesliga. Frankfurts Manager Gunnar Wöbke führte das auf den frühen Spielbeginn zurück, den das Fernsehen gefordert habe. In Berlin hingegen sind für Spiel drei bereits über 6000 Karten verkauft.

Im ersten Spiel sei Alba nicht zu sehen gewesen, hat Demirel festgestellt. Bleibt die Frage, ob jetzt auch die Berliner Zuschauer Alba zu sehen bekommen.

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