Berliner Sechstagerennen : Britische Sportagentur plant Übernahme

Das Berliner Sechstagerennen soll einen neuen Besitzer bekommen. Welche Folgen das für die Traditionsveranstaltung hat, ist noch unklar.

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In den vergangenen Jahren waren die Sixdays wieder ein Publikumsmagnet. Bleibt das auch künftig so?
In den vergangenen Jahren waren die Sixdays wieder ein Publikumsmagnet. Bleibt das auch künftig so?Foto: dpa

Den Sportpalastwalzer werden sie natürlich nicht antasten, keine Frage. Auch am Termin Ende Januar/Anfang Februar dürfte sich wenig ändern, ebenso wie an der Zusammensetzung des Fahrerfeldes, das seit jeher aus Startern mit Lokalkolorit und internationalen Größen besteht. Wenn die Radsportler bei der 104. Auflage des Berliner Sechstagerennens (28. Januar bis 2. Februar 2016) im Velodrom an der Landsberger Allee wieder verlässlich ihre Runden drehen, wird es allerdings einen elementaren Wechsel geben: den Besitzer. Nach Informationen des Tagesspiegels hat der bisherige Allein-Gesellschafter der Sixdays, Reiner Schnorfeil, die Veranstaltung an eine britische Agentur verkauft. Vermutlich handelt es sich dabei um „The Madison Sports Group“. Der britische Vermarkter kennt sich mit der Organisation von Sechstagerennen jedenfalls bestens aus. Nach 35 Jahren Abstinenz hat sie unter anderem das Sechstagerennen in London wieder belebt – mit Erfolg.

Schnorfeil will die Gerüchte auf Nachfrage zwar nicht bestätigen und verweist stattdessen auf eine Pressekonferenz im Oktober. „Aber ich kann bestätigen, dass sich im Sommer etwas Großes bei uns getan hat“, sagt er. „Es geht in allererster Linie darum, ein Format wie das Sechstagerennen auf sichere Füße zu stellen“, ergänzt Schnorfeil. Schließlich sei die Veranstaltung „ein Stück Berliner Geschichte, die wir erfolgreich fortschreiben wollen“. Dementis klingen anders. Zumal es kein Geheimnis ist, dass Vertreter der Madison Group im Januar beim Berliner Sechstagerennen vorbeigeschaut haben, um sich ein dezidiertes Bild von der Veranstaltung zu machen. „Der Prozess ist ziemlich weit fortgeschritten“, sagt Schnorfeil, jetzt gehe es im Grunde nur noch um Detailfragen, sozusagen um die letzten Runden.

Ja, sagt Heinz Seesing, auch er habe vom Verkauf der Traditionsveranstaltung gehört, „und eigentlich will ich mich dazu nicht äußern“. Man muss dazu wissen, dass die Sixdays für Seesing so etwas wie sein sportliches Lebenswerk sind. In den Wirrungen der Wendezeit war das Radrennen vollkommen in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, zwischen 1990 und 1997 fanden überhaupt keine Rennen statt – bis sich eben Seesing und sein Team bereit erklärten, der Veranstaltung wieder Leben einzuhauchen. Die Besucherzahlen stiegen stetig, in den letzten Jahren lagen sie verlässlich zwischen 70 000 und 75 000. Vor zwei Jahren übergab Seesing schließlich an seinen Nachfolger, an Reiner Schnorfeil. Deshalb will er jetzt auch nicht den Eindruck des nörgelnden Ex-Chefs machen. „Da ist doch so, als ob Opa vom Krieg erzählt, wer will das schon hören?“, sagt Seesing.

Trotzdem nimmt er sich am Telefon eine halbe Stunde Zeit für das Thema. „Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum man so ein funktionierendes Format verkauft“, sagt Seesing, „auf diese Idee wäre ich nie im Leben gekommen.“ Inwiefern sich der Verkauf auf Fahrer, Fans und womöglich auch auf die Eintrittspreise auswirken könnte, vermag er aber nicht einzuschätzen. „Das ist schwer zu sagen, solange sich der neue Besitzer nicht positioniert hat“, sagt Seesing. Laut Schnorfeil soll das spätestens in zwei Wochen passiert sein.

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