Berliner Sechstagerennen : Das Sixdays soll hip werden

Das Berliner Sechstagerennen will ein neues, junges Publikum gewinnen. Die Veranstalter haben ein paar Ideen. Vor allem das Jedermanns-Rennen könnte ein großer Erfolg werden.

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Gut gefüllte Ränge wie zuletzt erhoffen sich die Veranstalter der Berliner Sixdays auch in wenigen Wochen im Tempodrom.
Gut gefüllte Ränge wie zuletzt erhoffen sich die Veranstalter der Berliner Sixdays auch in wenigen Wochen im Tempodrom.Foto: dpa

Berlin - Dass das Berliner Sechstagerennen jünger werden will, manifestiert sich schon an seinem neuen Chef. Valts Miltovics ist 37 Jahre jung und seit Februar dieses Jahres neuer Geschäftsführer des Rennens, dessen 106. Auflage vom 19. bis 24. Januar im Berliner Velodrom ausgetragen wird. Miltovics soll den Sixdays einen neuen Anstrich verleihen. Das hatten in der Vergangenheit auch regelmäßig betagtere Sixdays-Chefs wie etwa Reiner Schnorfeil versprochen. Doch lag gefühlt immer etwas viel Staub auf der Veranstaltung. „Für junge Leute ist das Rennen vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu altmodisch“, sagt Miltovics.

Der Lette arbeitet für den britischen Vermarkter Madison Sports Group, der vor gut einem Jahr ebenjenem Schnorfeil die Rechte am Berliner Sechstagerennen abkaufte.

Die Madison Sports Group hat den mutigen Plan gefasst, die seit vielen Jahren mit wirtschaftlichem Verfall kämpfenden Bahnradsportveranstaltungen wieder groß zu machen. Ihre Idee: Die Welt wächst zusammen, deswegen muss auch der Bahnradsport zusammenwachsen. Und so gründeten die Briten eine Rennserie mit Sechstagerennen in London, Amsterdam, Berlin, Kopenhagen und einem Abschlussrennen in Palma de Mallorca, das mit einem Preisgeld von 300 000 Euro dotiert ist.

So eine Serie mit der Aussicht auf für Bahnradsportverhältnisse gute Entlohnung kann einerseits reizvoll sein. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass der TV-Sender Eurosport die Rennen der Serie live überträgt. Andererseits befürchten gerade die Traditionalisten, dass das Berliner Sixdays seinen besonderen Charme verlieren könnte. Dass es solche Ängste gibt, weiß auch Miltovics. Deswegen sagt er: „Wir wollen Tradition bewahren und trotzdem mögliche Verbesserungen einführen.“

Konkret äußert sich dies darin, dass die wichtigen Entscheidungen wie im Sprint, bei dem auch der mehrfache Weltmeister und amtierende Deutsche Meister Maximilian Levy dabei sein wird, bei den Sixdays nicht mehr zu Unzeiten nahe Mitternacht beginnen werden, sondern schon ab 19.15 Uhr. „Das Sechstagerennen soll familienfreundlicher werden“, sagt Miltovics. Doch auch nach Mitternacht wird geradelt. So ist das sogenannte Jedermann-Rennen neu im Programm. 100 Hobbysportler werden dann jeweils Freitag- und Samstagnacht bei House-Musik Ausscheidungsrennen fahren. „Berlin ist eine Fahrradstadt“, sagt Miltovics. „Wir wollen durch das Jedermann-Rennen Kontakt zu den Fahrradfahrern dieser Stadt herstellen.“

Miltovics denkt dabei auch an die hiesige Fixie-Szene, also an die vielen Halter von Rädern ohne Gangschaltung und ohne Bremsen. Das Fahren dieser Räder ist hip geworden in Berlin, und Miltovics will, dass auch das Sixdays hip wird. Überhaupt haben er und seine Kollegen von der Madison Sports Group große Pläne: „Wir wollen in den nächsten drei bis fünf Jahren Rennen in den USA, Australien, China und Südamerika austragen“, sagt er. „Mit 15 bis 20 Events planen wir.“

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