Sport : Berliner Sport im Blickpunkt: Getrennte Wege, ein Ziel

Claus Vetter

Nicht erst zu den Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), verkündet John Chabot, werde er fit sein. Schon vor dem heutigen Berliner Derby zwischen Eisbären und Capitals (Beginn 19.30, Sportforum Hohenschönhausen) wähne er sich in guter Verfassung. Damit kein Missverständnis entsteht, insbesondere bezüglich der Play-offs: Chabot hat zwar vor Jahren beim Tabellenvierten der DEL, den Capitals, gespielt, seit einigen Wochen ist der 38-Jährige aber bei den Eisbären unter Vertrag. Und Chabots Optimismus in Ehren, die Aussichten der Hohenschönhausener, die Saison über die Hauptrunde auszudehnen, erscheinen bei zurzeit 14 Punkten Rückstand auf einen Play-off-Rang eher dürftig.

Vor dem ersten Derby dieser Spielzeit sah das noch anders aus. Da genoss Chabot noch seinen vermeintlichen Ruhestand, und die Eisbären hatten nach drei Spielen bereits sechs Punkte auf ihren Konto, die Capitals nur vier. Nach dem Charlottenburger 4:2-Erfolg vom 17. September sollten sich dann aber die Wege trennen. Auf dem Eis und hinter den Kulissen lief bei den Lokalkonkurrenten alles in entgegengesetzter Richtung. Die Capitals marschierten bis an die Tabellenspitze, feuerten trotzdem Trainer Michael Komma. Beim EHC wurde Übungsleiter Glen Williamson trotz anhaltenden Abwärtstrends nicht beurlaubt.

In den 17 Partien nach dem ersten Derby gab es für den EHC mickrige 15 Punkte. Zwischenzeitliche Lichtblicke, wie die Erfolge gegen Frankfurt und in Düsseldorf, gerieten spätestens am Dienstag nach einer hilflosen Darbietung in Augsburg wieder in Vergessenheit: Da legten die Eisbären ein munteres 5:8 beim Tabellenletzten aufs Eis. Allein der Umstand, dass Alexander Jung im letzten Abschnitt beim Spiel in Augsburg - besagtes Drittel verlor der EHC mit 1:6 - im Minutentakt die Scheiben aus dem Netz fischte, zwang Williamson zum Umdisponieren. Heute gegen die Capitals rückt Klaus Merk wieder zwischen die Pfosten. Ausgerechnet zum Spiel gegen den einstigen Arbeitgeber? "Nein", sagt Merk, "eine besondere Motivation ist das für mich nicht." Er wolle zurück auf seinen angestammten Platz, das sei alles.

Chabot sieht psychologische Ursachen für die in dieser Saison häufig erlebten Einbrüche seines Teams. "Jedes Spiel haben wir für ein paar Minuten Aussetzer", weiß der Kanadier, "wir müssen endlich diese Gehirnkrämpfe los werden." Gehirnkrämpfe hatte Williamson gestern nicht, der EHC-Trainer gab sich vielmehr entschlossen. "Wir müssen am Freitag gewinnen." Ähnlich sah es Chabot, der "aufgeregt ist, das Derby zum ersten Mal von der anderen Seite zu erleben." Bei Derek Mayer hält sich indes die Anspannung in Grenzen. Heute wird Mayer am Unterarm operiert.

Peter Hammarström ist hingegen nicht verletzt, wird heute aber wahrscheinlich wieder einmal nur zuschauen dürfen. Dass der Schwede den Eisbären den Rücken kehren will, ist bekannt. Manager Peter John Lee hatte dem Stürmer schon bedeutet, dass er gehen könne. Williamson steht da aber im Wege. Schließlich werde Hammarström noch gebraucht, sagt Williamson, die Saison sei ja noch lang. Besonders wenn man wie Chabot auch noch in den Play-offs mitmischen möchte.

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