Berliner Sportstars und das Fest : Wie ausländische Profis Weihnachten feiern

Von der bösen Katze in der heiligen Nacht: Feiern ausländische Profis von Berliner Vereinen eigentlich Weihnachten nach deutscher Tradition? Zwei Spieler und ein Trainer erzählen.

Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson.
Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson.Foto: dapd

Grýla ist aufgewacht und reibt sich den Bauch. Zum Frühstück ein unartiges Kind! Hmmmmm! Sie steigt in ihren Bikini und stapft zum Strand. Dann schlurft sie durch das Stroh und hält Ausschau. Ach guck, wer ist denn dieser nette Herr in dem roten Mantel?

Ausländische Sportler bringen ihre eigene Weihnachtskultur aus der Heimat mit nach Berlin. Und hier vermischen sich dann die Geschichten ihrer Kindheit mit deutschen Traditionen und Bräuchen.

Angst vor Grýla, dem Schreckensweib in der isländischen Weihnachtsgeschichte, nein, die hatte Handballtrainer Dagur Sigurdsson nie. Dabei kommt sie in der Winterzeit aus den verschneiten Inselbergen und verspeist all die Kinder, die ihren Teller nicht leer gemacht haben, die gelbe Kurven in den Schnee gepinkelt oder dem Stofftier die Ohren abgeschnitten haben. Und all diejenigen Faulen, die schon große Schuhe tragen und arbeiten sollen, überlässt das hässliche Trollgespenst der gefräßigen Hauskatze Jólaköttur. „Aber nein“, schreitet Sigurdsson ein, „mit einer solchen Grausamkeit habe ich diese Geschichte von meinen Eltern nie erzählt bekommen.“ Der Trainer der Füchse Berlin erinnert sich viel lieber an die Episode über die dreizehn Jólasveinar (Weihnachtsgesellen), den trolligen Kindern von Grýla. Sie kommen ab dem zwölften Dezember nacheinander in die Städte und spielen den Familien im Auftrag ihrer hässlichen Mutter Streiche und sorgen in den Haushalten für Unordnung. Heutzutage stecken sie den artigen Kindern (Sigurdsson) in der Nacht kleine Geschenke in die Schuhe, den anderen eine alte Kartoffel.

Alexander Spirovski von den Volleys.
Alexander Spirovski von den Volleys.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Aleksandar Spirovski muss lachen: „Eine alte Kartoffel?“ Der gebürtige Serbe und Mittelblocker der Berlin Volleys ist in Belgrad aufgewachsen. Und dort ist alles wieder ganz anders. Vor allem der Weihnachtstag, der findet laut Julianischem Kalender erst am siebten Januar statt. Am Morgen bedeckt der Älteste des Hauses dann traditionell den Wohnzimmerboden mit Stroh, Stallatmosphäre eben, wie bei Maria und Josef, und versteckt darin für die Kinder Süßigkeiten und Mandarinen. „Da konnte ich manchmal lange suchen“, sagt Spirovski.

Union-Stürmer Silvio.
Union-Stürmer Silvio.Foto: dapd

„Aber einen Esel haben die dann nicht im Wohnzimmer stehen, oder?“ fragt Silvio. Der Stürmer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin kommt aus Brasilien. Dort fällt das Weihnachtsfest naturgemäß in die Sommerzeit, ohne Kerzen in den Palmen, ohne Besinnlichkeit und Melancholie. Die Brasilianer treffen sich dagegen traditionell am Strand, viel Samba und nackte Haut, und feiern gemeinsam eine große Party. „Ausgelassen“, schmunzelt Silvio, „sehr ausgelassen!“

Dieses Jahr verbringt der Südamerikaner die Feiertage in der Schweiz, bei der Familie seiner Frau. „Für meine Kinder ist das toll, sie lieben es, im Schnee zu spielen“, erzählt er. Doch irgendwann will Silvio sie auch einmal nach Brasilien mitnehmen. Sie sollen später selbst entscheiden, wie sie gerne Weihnachten feiern wollen.

In den Familien von Aleksandar Spirovski und Dagur Sigurdsson verschwimmt so langsam die Weihnachtskultur aus der Heimat mit der deutschen. „Wo soll ich hier auch Stroh herbekommen?“, fragt Spirovski. Sigurdsson hat zumindest schon geräuchertes Lammfleisch aufgetrieben, ein traditionelles Mahl ist also gesichert. Doch was ihm nie und nimmer passieren wird, da ist der Isländer überzeugt: „Stille Nacht, heilige Nacht – das geht mir nicht über die Lippen!“

Und vielleicht quatscht eine satte Grýla den netten Herrn in dem roten Mantel ja noch an, nach ein, zwei Caipirinhas an der Strandbar. Sie verlieben sich ineinander und fliegen auf einem Esel der Sonne entgegen.

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