Berlino : Der Bär ist auch nur ein Mensch

Er ist wieder da: Berlino, der heimliche Star der Leichtathletik-WM, soll nun das Maskottchen des Berliner Sports werden.

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12.04.2011 18:40Berlino, das Dauermaskottchen des Berliner Sports, soll bald wieder eine neue Aufgabe bekommen.

Die Freude war dem Publikum deutlich anzumerken. Als Berlino vor gut zwei Wochen in die Max-Schmeling-Halle tapste und in gewohnt sympathischer Manier ins Publikum winkte, verfielen die rund 4500 Zuschauer spontan in euphorischen Applaus. Er war gekommen, um dem neuen Tiger-Maskottchen der SCC-Volleyballer beim ersten Saisonspiel gegen Königs Wusterhausen ein wenig Starthilfe in Sachen Anfeuern und tierischer Pantomime zu geben. Und wer wäre da besser geeignet als jener Bär, der wegen seiner legendären Auftritte bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin von der britischen Zeitung „The Observer“ zum Maskottchen des Jahres 2009 gewählt wurde?

Wo auch immer dieser bärige Zeitgenosse auftaucht, die Sympathien sind auf seiner Seite. Beim Internationalen Stadionfest (Istaf) der Leichtathleten war das Ende August ebenso der Fall wie beim Berlin-Marathon und eben beim Volleyball. Warum aber taucht der Bär ein Jahr nach der Leichtathletik-WM auf einmal wieder bei Berliner Sportveranstaltungen auf?

Eben weil er so ein Sympathieträger ist, erklärt Martin Seeber, Geschäftsführer von „Top Sportmarketing“. Seeber bemüht sich gerade um die Rechte für das Maskottchen. „Berlino funktioniert einfach“, sagt er. „Die Leute haben eine sehr emotionale Bindung zu ihm.“

Viele erinnern sich an die besonderen Momente mit Berlino

Daran, wie der Berliner Diskuswerfer Robert Harting den Bären nach seinem WM-Titel wie ein vollgeschwitztes Handtuch über die Schulter warf und mit ihm durchs Berliner Olympiastadion rockte, werden sich viele ebenso erinnern, wie an die „Freundschaft“ zwischen Berlino und dem jamaikanischen Sprintstar Usain Bolt. „Ich bin ein Berlino“ hatte der eines schönen Wettkampftages plötzlich auf seinem T-Shirt stehen und scherzte vor den anwesenden Pressevertretern aus der ganzen Welt, er und der Bär hätten längst Telefonnummern ausgetauscht. Berlino riss die Speerwerferin Steffi Nerius nach ihrem Wurf zum Gold in überschwänglicher Begeisterung zu Boden und rannte mit der jamaikanischen Läuferin Melaine Walker im Huckepack geradeaus in einen Wagen mit Hürden. Stets offen und fröhlich präsentierte sich das Bärenmaskottchen, spontan und immer auch ein wenig tollpatschig. Und wurde so inoffiziell zum eigentlichen Star der WM in Berlin.

Die alten Geschichten will Martin Seeber nun weitertragen – und vor allem neue schaffen. „Es wäre doch schade, wenn Berlino nach nur einem Sommer im Keller verschwunden wäre“, findet er. In der ganzen Welt habe man seit der Leichtathletik-WM versucht, das Konzept des mitgestaltenden Slapstick-Maskottchens zu kopieren, das mit den Athleten interagiert – zuletzt bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona. „Komischerweise kommen sie alle nicht an Berlino heran“, findet zumindest Seeber.

Istaf, Marathon und Volleyball haben als Testläufe überzeugt. Im April 2011 soll Berlino die Turn-Europameisterschaften in Berlin unterstützen. Und er wird das offizielle Maskottchen der „Sportmetropole Berlin“, der gemeinsamen Werbeaktion der Berliner Bundesligisten Hertha BSC (Fußball), Füchse (Handball), Eisbären (Eishockey), Alba (Basketball) und SCC (Volleyball).

Berlino sieht jetzt ein wenig anders aus als im vergangenen Jahr. Er hat sich herausgeputzt für die neuen Auftritte, trägt nun ein rotes T-Shirt und rote Schuhe, dazu eine blaue Hose.

Zwei Schauspieler gestalten das Bärendasein, sie trainieren extra dafür

Drinnen aber wird auf Kontinuität gesetzt. Nachdem bei der Leichtathletik-WM wochenlang spekuliert wurde, wer denn der geniale menschliche Kopf im Bärenkostüm sei, will Martin Seeber daraus nun kein Geheimnis mehr machen. Zwei Schauspieler gestalten das Bärendasein und dabei soll es auch bleiben. „Man kann nicht ständig neue Leute hineinstecken“, findet Seeber. Denn auch ihm ist klar, wie entscheidend der Mensch im Bären ist. „Es erfordert einiges an Extratraining, bis man das so hinbekommt.“

Vor allem aber soll der Bär nicht inflationär eingesetzt werden, damit er sich nicht abnutzt. Keinesfalls, betont Seeber, solle Berlino von nun an „bei jeder Dorfveranstaltung auftauchen“. Das habe schon anderen Maskottchen in der Vergangenheit ihren Reiz genommen.

Wer aber in Zukunft eine große Sportveranstaltung plant, der kann auch Berlino buchen. Und damit wahrscheinlich viele Zuschauer in eine zusätzliche Euphorie versetzen.

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