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Berlins ältester Fan : Alter Onkel Hertha
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Kurz darauf zog der Hitlergruß auf den Tribünen ein, Heinz musste in den Krieg; damit er nicht als junges Kanonenfutter endet, ging er zu den Fallschirmjägern. Nach der Kriegsgefangenschaft kam er zurück in den zerbombten roten Wedding, baute sein Leben und seinen Stadtteil neu auf, auch die Plumpe. Er machte sich selbstständig am Gesundbrunnen, mit einer Kneipe, in der nicht nur Herthas Fans gerne ein Schultheiss nachbestellten, sondern auch die Spieler, mit einer Kneipe, die sich Abend für Abend ihren Namen verdiente: „Die gute Lage“ in der Müllerstraße. Heinz war Chef vons Janze, das bleibt auch den Herthanern, die hier nach der Gründung der Bundesliga 1963 ihre Mannschaftssitzungen abhielten und den einen oder anderen Skat kloppten, nicht verborgen. „Hanne, Helmut Faeder und wie die Jungs alle hießen“, erinnert sich jetzt Heinz. „Die kannten mich und haben mich manchmal ins Stadion reingeholt.“ Heinz lacht laut. Wieder Eintritt gespart.

Uff’n Wedding inna Plumpe

Heinz’ Frau lacht mit, obwohl sie auch diese Geschichte schon oft gehört hat. „Sein Langzeitgedächtnis funktioniert besser, kurzzeitmäßig hat er schon Löcher“, sagt Petra, die ihren Mann seit 40 Jahren kennt und sein Leben folgendermaßen zusammenfasst: „Wein, Weib, Gesang, Hertha. Und viel Sport hat er getrieben.“ Heinz fuhr Wasserski, spielte Tennis und natürlich Fußball bis zu einer Verletzung – die Fotos seiner Heldentaten hängen an der Pinnwand über dem Tisch, an dem er sitzt und mit den Fingern trommelt, ein paar Freunde und Freundinnen sind auch drauf, die meisten sind inzwischen tot.

Eines aber hat sich für Heinz nie verändert in seinem bewegten Leben: Woche für Woche, Jahrzehnt für Jahrzehnt war er stets bei seiner Tante Hertha, uff’n Wedding inna Plumpe oder ab den Siebzigern am Westend im Olympiastadion – egal, ob es schneite oder schüttete, egal ob Hertha gerade wieder knapp an der Meisterschaft vorbeischrammte (in den Siebzigern, in den Neunzigern und zuletzt 2009) oder ob Berlin als einzige europäische Hauptstadt gerade wieder auf die harten Bretter der Zweiten Liga geschickt wurde (in den Siebzigern nach dem großen Bundesliga-Bestechungsskandal, als Hertha-Spieler vor einer Niederlage einen Geldkoffer vom späteren Sieger annahmen; in den Achtzigern, den Neunzigern und jetzt gerade schon wieder).

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