Berlins bester Golfer : Philipp Mejow und der Traum von der European Tour

Philipp Mejow hat sich nach einer herausragenden Saison für Challenge Tour qualifiziert. Doch Berlins bester Golfer will noch mehr.

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Philipp Mejow hat knapp den Sprung auf die European Tour verpasst.
Philipp Mejow hat knapp den Sprung auf die European Tour verpasst.Foto: Mike Wolff

Philipp Mejow ist zu Hause. Das kommt beim 27-jährigen Berliner nicht oft vor. Denn Mejow ist Golfprofi und als solcher viel unterwegs. Gerade erst hat er seine Saison beendet – es war eine überaus erfolgreiche. „Ich mache jetzt zwei Wochen Pause, um ein bisschen runterzukommen“, sagt Mejow. Tatsächlich hat er in diesem Jahr den Höhepunkt seiner noch jungen Profikarriere erreicht. Mejow hat die Pro Golf Tour gewonnen, die dritthöchste europäische Spielklasse. „Ich habe natürlich darauf gehofft, aber niemals damit gerechnet. Mein Ziel war es, unter die besten fünf zu kommen, um mich für die Challenge Tour zu qualifizieren.“ Dass es dann sogar mit dem Sieg in der Gesamtwertung geklappt habe, sei „ein Bonus“ gewesen.

Beinahe wäre ihm sogar der Durchmarsch nach ganz oben gelungen. Mejow hatte es bis ins letzte Qualifikationsturnier für die European Tour geschafft. Wäre er dort im PGA Catalunya Resort in der Nähe von Girona mindestens auf Platz 25 gelandet, hätte Mejow in der kommenden Saison mit den besten Profis Europas Woche für Woche um Millionenpreisgelder gespielt. Doch dafür hat es diesmal noch nicht gereicht. Enttäuscht ist Mejow deswegen nicht. „Ich bin komplett happy mit der Saison. Und vielleicht ist es ja auch ganz gut, im nächsten Jahr erst einmal Challenge Tour zu spielen und diesen Schritt nicht gleich zu überspringen.“

Schritt für Schritt, so plant Mejow seine Karriere. Schon mit 16 Jahren sei ihm klar gewesen, „dass ich was mit dem Sport machen will“. Schon damals galt er als hoffnungsvolles Talent im Golf- und Landclub Berlin-Wannsee. Im Rahmen des Jugendförderprogramms entwickelte sich Mejow kontinuierlich weiter und „mit den steigenden Erfolgen kam dann auch das Selbstvertrauen, dass ich es schaffen kann“. Ende 2010 sei dann die Entscheidung gefallen, es mit der Profilaufbahn zu versuchen. In diesem Alter sind andere Spieler schon Stars und haben ausgesorgt. Mejow sieht sich aber nicht unbedingt als Spätstarter. „Das durchschnittliche Einstiegsalter auf der European Tour liegt bei 28 Jahren“, berichtet Mejow. Und es gebe viele Routiniers, „die es auch erst mit Anfang oder Mitte 30 schaffen“.

Die Pro Golf Tour hat Philipp Mejow in diesem Jahr gewonnen

Zeit genug also für Mejow. Wobei Zeit nur die eine Seite der Medaille ist. Auch der finanzielle Rahmen muss stimmen, denn auf den unterklassigen Touren reichen die Einnahmen oft nur aus, um gerade so über die Runden zu kommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Mejow hat diesbezüglich Glück: „Ich hatte in den letzten Jahren den Luxus, dass mich nicht nur meine Familie, sondern auch der eine oder andere Sponsor unterstützt hat. Dazu hat mein Trainerteam so gut wie alles umsonst für mich gemacht.“ Und jetzt, da die Erfolge da sind, gibt es immer mehr Menschen, die sich für Mejow interessieren. Schließlich ist er der beste Golfer Berlins. Ein, wenn auch inoffizieller, Titel, der ihn mit Stolz erfüllt.

Mejow bezeichnet sich selbst als einen „geduldigen Menschen“, der sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lässt. Auf dem Platz hat er die Stärke, selbst schwierige Situationen irgendwie zu lösen. Sein Ziel ist es, künftig gar nicht mehr in solche Lagen auf dem Golfplatz zu kommen. „Ich muss konstanter in meinem langen Spiel werden“, sagt der gebürtige Pankower, der mit seiner Verlobten mittlerweile in Mariendorf lebt. Und jetzt endlich auch einmal zu Hause ist. Schon in ein paar Tagen geht die Vorbereitung auf die neue Saison los, dann auf der Challenge Tour und auf anderen, für ihn neuen Plätzen. Mejow wird noch weiter herumkommen, nach Kasachstan oder China zum Beispiel, vielleicht sogar bis in den Oman. Alles mit dem Ziel, es irgendwann auf die European Tour zu schaffen und sich dort dann auch zu behaupten.

Und wenn es damit nichts wird? „Ich liebe und lebe meinen Job. Und solange es mit dem Golf irgendwie funktioniert, mache ich das auch weiter“, sagt Mejow. Erst wenn irgendwann das Selbstvertrauen oder die Motivation nicht mehr da seien, könne er sich auch vorstellen, etwas anderes zu machen. Doch daran denkt Philipp Mejow im Moment nicht – jetzt, da er seinem großen Traum so nahe ist.

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