Berlins NFL-Star hört auf : Björn Werner: Schulter, Fuß, Knie, Schluss

Björn Werner hat genug. Nach vielen Verletzungen beendet der Berliner seine Karriere als Footballer. In der NFL hat er sich als einer der besten Nachwuchsspieler nicht durchsetzen können.

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Auch eine Taktik-Umschulung nutzte nichts. Dem 120-Kilo-Mann Björn Werner habe es an Muskelmasse und Athletik gefehlt, schrieben Experten.
Auch eine Taktik-Umschulung nutzte nichts. Dem 120-Kilo-Mann Björn Werner habe es an Muskelmasse und Athletik gefehlt, schrieben...Foto: imago/Icon SMI

Der Uhrzeiger hatte gerade Mitternacht erreicht, als Björn Werner eine überraschende Entscheidung bekannt gab. In der Nacht zu Sonntag war der Berliner zu Gast in einem deutschen Fernsehstudio, um als Experte über die Play-off-Spiele in der US-amerikanischen National Football League (NFL) zu reden. Plötzlich sprach Werner, aufgewachsen und sportlich sozialisiert bei den Berlin Adlern, aber nicht über Taktiken und Spielzüge, sondern über: Björn Werner. Und das tat schon beim Zuhören weh.

„Ich hatte in den letzten acht Jahren acht Operationen, vier davon an den Knien. Beide Knie waren jeden Tag im Training angeschwollen“, sagte der 26-Jährige. „Ich wünschte, ich könnte weiterspielen“, ergänzte er, „aber mein Körper macht leider nicht mehr mit.“ Nach gerade einmal 38 NFL-Spielen in der regulären Saison, vier Play-off-Begegnungen und einer langen Leidenszeit beendet Werner seine aktive Karriere und will sich künftig um die Förderung von Talenten in den USA kümmern.

Damit endet abrupt eine der vielversprechendsten Laufbahnen, die es – aus deutscher Sicht – jemals im American Football gegeben hat. Vor knapp vier Jahren, im April 2013, hatten die Indianapolis Colts den Berliner in der ersten Runde der alljährlichen Talentwahl (Draft) unter Vertrag genommen. Werner zählte damit zu den besten 32 Nachwuchsspielern der USA. Entsprechend groß waren die Erwartungen, die der Superbowl-Champion von 2006 seinerzeit in den jungen Mann setzte, der sich zuvor an der Florida-State-Universität einen Namen als knallharter Verteidiger gemacht hatte. Werner, soweit zur Theorie, sollte die schwache Verteidigung der Colts verbessern und ein wichtiger Bestandteil der nächsten Meistermannschaft werden.

Werner scheiterte an den hohen Erwartungen

In der Praxis erfüllte sich diese Hoffnung nicht, Werner wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Darüber hinaus fehle es dem Deutschen trotz einer Körpergröße von 1,91 Meter bei einem Gewicht von 120 Kilogramm an Muskelmasse und Athletik, kritisierten die Lokalzeitungen und einschlägigen NFL-Portale. Bald machte ein wenig schmeichelhafter Begriff die Runde, wenn es um Werner ging: Er sei ein „Draft bust“, auf gut Deutsch: ein Flop. Auch nach einer taktischen Umschulung – Colts-Coach Chuck Pagano versuchte, aus dem Defensive End einen Linebacker zu machen – stellten sich nicht die gewünschten Erfolge und Fortschritte ein.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Werner an den hohen Erwartungen gescheitert ist, die eine hohe Position im Draft von Natur aus mit sich bringt. In der NFL erhalten talentierte Nachwuchsspieler oft nicht viel mehr Zeit eingeräumt als zwei, drei Jahre. Angesichts des erbitterten Konkurrenzkampfes müssen sie in dieser Zeit so weit sein, dass sie mit den Stars der Liga mithalten können. Werner war es offenbar nicht: Nach der Saison 2015 beendeten die Colts das bestehende Arbeitsverhältnis.

Auf der Suche nach einem neuen Klub zog Werner anschließend durch die Staaten und absolvierte Trainingscamps in New Orleans und später Jacksonville. Im sonnigen Florida hielt es Werner knapp vier Monate, ehe sich der Verein erneut von ihm trennte. Daraufhin war Werner auch wieder regelmäßiger in Berlin zu sehen, zuletzt beim Finale der German Football League im Oktober im Jahn-Sportpark. Damals erzählte Werner, dass er in drei Jahren als NFL-Profi „nie richtig gesund“ gewesen sei. Schulter, Fuß, Knie – überall knarzte und schmerzte es.

Nach dem offiziellen Karriereende hat Björn Werner nun endlich Zeit, all die Blessuren so auszukurieren, wie es sich im Sinne der eigenen Gesundheit gehört.

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