Berlins Pokalfinale : BFC Dynamo kontra Lichtenberg 47

Für den SV Lichtenberg 47 ist das Pokalfinale eine Möglichkeit, wieder auf sich aufmerksam zu machen. Der DDR-Serienmeister BFC Dynamo ist dagegen zum fünften Mal dabei.

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Der Renner waren die Final- T-Shirts. Neulich beim Stadionfest von Lichtenberg 47 waren sie innerhalb weniger Minuten vergriffen. Viele Fans wollten eines haben.

„Wer die vergangenen Tage beobachtet hat, wird gemerkt haben, welche Euphorie im Verein herrscht“, sagt Daniel Volbert. Er ist der Trainer von Lichtenberg 47 und steht mit seiner Mannschaft heute im Berliner Pokalfinale gegen den BFC Dynamo (19 Uhr). Unterstützung erhofft sich Lichtenberg von zirka 500 Anhängern, Dynamo wird wohl das Vierfache an Zuschauern mitbringen. Insgesamt erwartet der Berliner Fußball-Verband rund 5000 Fans im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg.

Für Volbert und seine Mannschaft ist es eine Premiere, seit der Wiedervereinigung schaffte es Lichtenberg noch nie so weit. Im Endspiel geht es nun gegen den großen Nachbarn BFC Dynamo. Der Traditionsklub ist zum fünften Mal dabei, zuletzt stand man vor zwei Jahren gegen den SFC Stern 1900 im Endspiel (2:0).

Beide Vereine spielen seit Beginn dieser Saison gemeinsam in der Oberliga, Lichtenberg geht trotzdem als klarer Außenseiter ins Spiel. Das hängt vor allem mit der öffentlichen Wahrnehmung zusammen. Gegen den Rekordmeister der DDR kommt Lichtenberg nicht an. Der Verein erreichte 1950 zwar die DDR-Oberliga, stieg dort aber nach nur einer Saison ab und kam nie wieder zurück. Die meiste Zeit verbrachte Lichtenberg 47 in der zweitklassigen DDR-Liga oder sogar darunter in der Bezirksliga. Von nationalen Titeln, wie sie Dynamo holte, war man weit entfernt. Nach der Wende pendelte Lichtenberg dann meist zwischen der Oberliga und den Berliner Amateurklassen.

„Wir waren vor dieser Saison dabei, zur grauen Maus in der Berlin-Liga zu werden. Der Aufstieg in die Oberliga hat uns gut getan, aber das Erreichen des Pokalfinales ist noch einmal eine ganz andere Hausmarke. Unser Image profitiert davon enorm“, sagt Abteilungsleiter Nico Dörr. Bei einem Sieg heute würde nicht nur das Image profitieren, sondern auch die Vereinskasse. Der Gewinner darf zur kommenden Saison im DFB-Pokal antreten, was Einnahmen von 100 000 Euro garantieren würde. Das ist viel Geld, erst Recht für einen Verein wie Lichtenberg 47. „Die Arbeit würde durch dieses Geld schon einfacher werden, der Etat wäre leichter zu stemmen“, sagt Dörr.

Die Oberliga zählt nicht zu den rentabelsten Spielklassen, für die meisten Vereine ist sie ein Verlustgeschäft. Lichtenberg muss neben den Spielergehältern auch Reisen nach Rostock oder Greifswald finanzieren, die Einnahmen sind dagegen übersichtlich. Zu den Heimspielen kommen oft kaum mehr als 100 Zuschauer ins Hans-Zoschke-Stadion. Auch deshalb wird die Kulisse im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark etwas besonderes für die Spieler sein. „Für uns wird es das Highlight schlechthin“, sagt Spieler Danny Kempter. Sein Blick wirkt entschlossen. Das bloße Endspiel-Shirt reicht ihm nicht. Ein Pokalsieger-Hemd soll noch folgen.

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