1. FC Union : Der Berliner Brasilianer

Der 1. FC Union verabschiedet heute Daniel Teixeira. Der Brasilianer bekommt nach nur drei Jahren an der alten Försterei ein Abschiedsspiel mit Marcelinho - einer der erfolgreichsten Spieler setzt sich zur Ruhe.

Matthias Koch,Claus Vetter

BerlinEs war ein merkwürdiger Fußballnachmittag im Berliner Mommsenstadion. Regionalliga, Tennis Borussia gegen den KFC Uerdingen, so hieß die Ansetzung, und dann war es aber Daniel Teixeira gegen alle: Gegen überforderte Gegenspieler und an den eigenen Mitspielern vorbei entschied der brasilianische Stürmer das Spiel. Fünf Tore schoss er beim 7:1 der Uerdinger. Der damalige TeBe-Trainer Mirko Slomka, heute Coach bei Schalke 04, verließ an jenem 12. August 2000 verlegen lachend den Platz. "So etwas habe ich noch nie erlebt, und so etwas will ich nie wieder erleben“, sagte Slomka.

Die fünf Tore im Mommsenstadion waren Teixeiras erster großer Auftritt in Berlin, heute folgt sein letzter: Mit 39 Jahren beendet er seine Spielerkarriere. Obwohl er insgesamt nur drei Spielzeiten bei den Köpenickern im Kader stand, bekommt er ein Abschiedsspiel – das gab es im Stadion an der Alten Försterei noch nie. Ab 18 Uhr tritt Teixeira mit einem Allstarteam, dem auch der Wolfsburger Profi Marcelinho angehören wird, gegen das Team des Regionalligisten an. Wehmut verspüre er aber nicht, "es war der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Mein Knie macht seit meinem Kreuzbandriss vor einigen Jahren nicht mehr richtig mit“.

Das Knie hatte ihm eine lange, erfolgreiche Karriere ermöglicht – weil er seine Heimat früh verließ. Für einen für brasilianische Verhältnisse durchschnittlich begabten Fußballkünstler verhält sich das so wie mit Basketballern aus den USA oder Eishockeyspielern aus Kanada: Es gibt im eigenen Lande zu viel Konkurrenz, und deshalb muss er weg. 1991 wechselte Teixeira von seinem Heimatklub Belo Horizonte nach Japan. Über Portugal und Marbella ging es nach Uerdingen, dann zu Union: Seine 18 Tore in 16 Spielen in der Saison 2000/2001 haben den Stürmer an der Wuhlheide bei den Fans so populär gemacht. Er hatte großen Anteil am Aufstieg Unions in die Zweite Liga und am Erreichen des DFB-Pokalfinales gegen Schalke 04.

Doch danach war Teixeira wieder weg, Uerdingen hatte ihn ausgeliehen, Union zahlte die geforderte Ablösesumme nicht. Teixeira ging zu Regionalligist Braunschweig, anhänglich war er ohnehin nie. Zudem fühlte er sich in unteren Klassen wohler, weil er dort mit seiner Robustheit seine Torgefährlichkeit ausspielen konnte – wie 2000 im Mommsenstadion. Das war für Teixeira übrigens weniger erstaunlich als für Mirko Slomka, sagt er: "Fünf Tore? Vor dem Spiel bei TeBe hatte ich das schon mal in Japan geschafft.“ 1991, bei Nippon Denso – eine der vielen Stationen des Daniel Teixeira, von neuen spricht er nicht. Das Abschiedsspiel wird für ihn kein Abschied vom 1. FC Union, für den er von 2005 bis vergangenes Saisonende noch spielte. Im Klub ist er für die Sponsorenbetreuung zuständig.

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