1. FC Union : Mit 226 Euro schuldenfrei

Manche Leute besitzen die Gabe, Schulden schönzurechnen. Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, gehört dazu.

Karsten Doneck

Berlin - „Wir haben fast 4500 Mitglieder. Auf den einzelnen umgelegt, hätte also theoretisch jedes Mitglied 226,25 Euro Schulden. Damit liegt unsere Pro- Kopf-Verschuldung weit unter dem, was heute in der politischen Landschaft üblich ist“, sagte Zingler vor der gestrigen Mitgliederversammlung des Vereins. Nicht ganz so schön liest sich indes die Gesamtsumme an kurzfristigen Ratenzahlungen, die der Fußball-Regionalligist zu leisten hat: Exakt 1 002 986,56 Euro sind da aufgelaufen.

Existenzbedrohend sei dieser Betrag, laut Zingler, nicht. Zumal der Schuldenstand abnimmt. Noch im Juni 2004 lagen bei Union unbezahlte Rechnungen in Höhe von 2,3 Millionen Euro in der Schublade. Die Not war groß – und machte erfinderisch. Eine Aktion „Bluten für Union“ wurde gestartet. Union-Fans spendeten Blut und das Geld dafür dem Verein. Einige Gönner rückten auch ohne Blutspende Geld heraus. Union senkte dadurch das Kassenminus auf 1,2 Millionen Euro. „Wir sind ein starker Verein“, behauptet Dirk Zingler. Aber im Hintergrund steht immer noch Michael Kölmel, der einst als Filmrechtehändler den 1. FC Union mit millionenschweren Finanzhilfen am Leben erhielt. Rund zehn Millionen Euro haben sich da im Lauf der Jahre angehäuft. Gemäß einer vertraglichen Vereinbarung aus dem Jahre 2005 sind aber bis zum 1. Juli 2010 weder Rückzahlungen noch Zinsen an Kölmel fällig. Danach sind zwei Drittel der Verbindlichkeiten weiter mit einem dauerhaften Rangrücktritt versehen und müssen ausschließlich aus künftigen Gewinnen getilgt werden. Das verbleibende letzte Drittel soll dann in Darlehen umgewandelt werden. Zingler sieht sich gegenüber Kölmel in der Pflicht: „Wir haben diese Schulden gemacht, nun sollten wir nicht so tun, als wenn sie nicht existieren würden.“

Sparen bleibt demnach oberstes Gebot beim 1. FC Union. So wurde innerhalb des letzten Jahres der Bestand an hauptamtlichen Angestellten von 17 auf 14 verringert. Nur beim fußballspielenden Personal wird nicht geknausert. Voriges Jahr hatte der 1. FC Union gerade mal 22 Spieler für die erste Mannschaft unter Vertrag. Jetzt sind es 25. Karsten Doneck

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